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Ereignisse
1938
November

HJ und ND - Zur Frage der Doppelmitgliedschaften

Studienassessor Br., HJ-Vertrauenslehrer an der Oberschule Essen-Borbeck, führt aufgrund eines amtlichen Rundschreibens an seiner Schule eine Umfrage durch, zu welchen NS-Gliederungen oder konfessionellen Vereinen die Schüler gehören.

Ein Zehnjähriger aus der Sexta gibt an, sowohl im ND als auch in HJ zu sein. Lehrer Br. befragt den älteren Schüler Karl D., einen ehemaligen Neudeutschen, ob Doppelmitgliedschaften in HJ und ND gängig wären. Br. leitet den Verdacht an die Gestapo weiter, die Schüler Karl D. und Karl Sch. würden HJ-Angehörige für den Bund Neudeutschland werben. In seinem späteren Gestapoverhör korrigiert Karl D. die Angaben seines Lehrers:

„Ich habe dann nicht erklärt, dass die N.D. Jungen, die der H.J. beiträten, aus der amtlichen N.D. Liste gestrichen, aber noch nach wie vor Verkehrsgäste des N.D. wären, sondern ich habe ganz eindeutig erklärt, dass es eine Doppelmitgliedschaft nicht gäbe und dass die Jungen von N.D., wenn sie der H.J. beiträten, freiwillig aus N.D. austräten, weil die Jungen selbst keine Doppelmitgliedschaften wünschten. Ich habe nicht gesagt, die so aus dem N.D. ausgeschiedenen Jungen könnten im N.D. noch oder nur noch Verkehrsgäste sein. Wohl habe ich gesagt, dass auch diese Jungen das Schülerheim im Salesianerkloster noch besuchen könnten, um dort unter Aufsicht Schularbeiten zu machen. Seit meinem Austritt aus N.D. habe ich an den Heimabenden nicht mehr teilgenommen und habe auch keinen äußerlichen Kontakt mehr damit. (...) In dem Schülerheim der Salesianer befindet sich ein Tischtennis und ein Billard, die von allen Schülern benutzt werden können. Auch die N.D. spielen draußen schon mal mit dem Fußball der Salesianer."

Zum Abschluss der Ermittlungen stellt die Gestapo fest, dass Lehrer Br. „keine weiteren Beweise dafür erbringen [kann], dass H.J. Angehörige aus Borbeck noch Mitglied des N.D. sind." Weiter heißt es: „Wenn dennoch einige zehnjährige Schüler dem Lehrer gegenüber angegeben hätten, sie gehörten dem D.J. und dem N.D. an, so hätten diese den Sinn nicht verstanden. (...) Tatsache ist aber, dass ein großer Teil der kath. Jugend in Essen-Borbeck den verderblichen Einflüssen der Salesianer bezw. der Mariensöhne des Klosters ausgesetzt ist, weil er Gelegenheit hat, im Kloster unter deren Hilfeleistung ihre Schularbeiten zu machen. (...) Es erscheint dringend erforderlich, dem Salesianerpater bezw. dem Kloster zu untersagen, den Schülern anderer Schulen den Aufenthalt im Schülerheim der Salesianer zu gestatten, da durch das Bereitstellen von Gesellschaftsspielen wie Tischtennis und Billard pp. die Jungen von der H.J. ferngehalten werden."[1]

 


[1] HStAD, RW 58/ 32005

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