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Ereignisse
1938
Dezember

Rückblick auf internationale Kontakte des Gebietes Mittelrhein 1938

Gemäß der Vorgabe von Reichsjugendführer Baldur von Schirch, das Jahr 1938 als "Jahr der Verständigung" zu gestalten, legt das Gebiet Mittelrhein in dem Jahr einen verstärkten Fokus auf die Grenz- und Auslandsarbeit.

Bereits in den Jahren zuvor gab es Besuche ausländischer Jugendgruppen, insbesondere solcher aus politisch befreundeten Ländern wie Ungarn und Italien.

1938 steht als erste große Aktion der Besuch von 1000 Söhnen und Töchtern französischer Weltkriegsteilnehmer auf dem Programm, die auf Einladung von Baldur von Schirach eine Deutschlandtour machen sollten. Der Besuch wird wegen des Anschlusses Österreichs und, wie es im WB heißt, der darauf folgenden "internationalen Hetze", jedoch von Herrn Pichot, dem Verantwortlichen der "französischen Frontkämpfer" abgesagt.

Die französische Jugend habe diesen "ohne ihre Schuld hinterlassenen eigenartigen Eindruck" jedoch wiedergutgemacht. Noch während der "Hetze" habe es Anfragen französischer Jugendlicher an die HJ nach gemeinsamen Wanderungen und Lagern gegeben. So hätten acht große französische Gruppen im Sommer Wanderungen durch das Rheinland unter Führung der HJ gemacht. Zwei Gruppen und Einzelwanderer hätten ihre Ferien in den HJ-Zeltlagern verbracht, zudem habe es gemeinsame Sportwettkämpfe gegeben.

"Die in diesem kritischen Jahr mit der Jugend Frankreichs gegründeten Freunschaften", so der WB optimistisch, "haben sich bis heute weiter erhalten und werden in gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen im Jahr 1939 gestärkt und erweitert werden."

Die englische Jugend, so der WB, habe sich durch die Hetze jedoch "zu stark ins Bockshorn jagen" lassen und blieb mit Ausnahme einiger Wandergruppen und zweier Fußballmannschaften ganz fort, obgleich sie zuvor häufig im Rheinland gewesen sei.

Dafür seien Jugendabordnungen aus Japan, Amerika, Ungarn, Skandinavien, Luxenburg, Bulgarien und Jugoslawien sowie einzelne Besucher aus aller Welt gekommen.

Hauptbannführer Friedrich-Karl Bornemann, der Führer der Abteilung Grenz- und Ausland im Gebiet Mittelrhein (Köln-Aachen) gibt im Februar 1938 einen weitern Überblick über die Grenz- und Auslandsarbeit im "Jahr der Verständigung".

Eingangs erinnert er daran, dass in vielen Ländern mittlerweile HJ-Formationen unter den dort lebenden Deutschen aufgebaut sind. Es sei der "Stolz einer jeden GA-Abteilung" für solche Gruppen im Ausland Pate zu sein und deren Arbeit zu unterstützen. Dafür würden Briefwechsel organisiert oder Sammlungen von Büchern und Spielen durchgeführt. Zudem würden die Gruppen eingeladen, ihre Ferien in HJ-Lagern zu verbringen. Im Gegenzug würden die Gruppen des Reiches auf ihren Auslandsfahrten die Auslands-HJ besuchen.

Als Beispiel für eine solche Unternehmung nennt er die Fahrt der Kölner Rundfunkspielschar im April 1938 nach Luxenburg, wo sie mit den 1000 dort lebenden Deutschen den "Geburtstag des Führers" gefeiert hat. Solche Fahrten habe es auch schon zuvor gegeben.

Als weitere Maßnahme zur internationalen Zusammenarbeit geht Bornemann auf den Führungs- und Dolmetscherdienst der Mittelrhein-HJ ein, der 1936 eingerichtet wurde. Hier arbeiten Führer und Mitglieder aus HJ und Jungvolk freiwillig mit und werden sprachlich weitergebildet. Zudem werden ihnen Kenntnisse über verschiedene Länder sowie über die Geschichte des Rheinlandes vermittelt. Im Gebiet Mittelrhein stehen Dolmetscher für zwölf Sprachen zur Verfügung. Zudem gibt es Jungen, die ausländische Jugendgruppen auf ihren Wanderungen oder Reisen auf Wunsch begleiten.

1938 sei der Einsatz des Führungs- und Dolmetscherdienstes besonders stark gewesen, da Hunderte ausländischer Jugendlicher durch Köln hätten geführt werden müssen und zahlreiche Gruppen eine Begleitung gewünscht hätten.

Anschließend geht Bornemann auf die Arbeit des Grenzlandreferats ein, das gerade in der Grenzregion Köln-Aachen wichtige Aufgaben habe. Die besten und tüchtigsten Führer müssten in die Grenzbanne, und dort müssten auch die meisten HJ-Heime gebaut werden und die meisten Zeltlager im Sommer stehen. Unter dem Motto der "Kameradschaftsarbeit" habe man im ganzen Reich Gebiete und Banne aus dem Landesinnern mit je einem des Grenzlandes verbunden und zu engerer Zusammenarbeit verpflichtet. So seien auch die an der Grenze liegenden Banne des Gebietes Köln-Aachen mit je einem nicht an der Grenze liegenden verbunden und würden abwechselnd Schulungen und Führertagungen durchführen. Hinzu kämen gegenseitige Besuche und Sammlungen von Büchern, Sportgeräten, Musikinstrumenten usw. für die Grenzbanne. Das Grenzlandreferat würde dort überdies Spielscharfahrten, Dichterlesungen und Jugendfilmstunden organisieren.

Zudem stellt Bornemann das volksdeutsche Referat vor, das eng mit dem VDA zusammenarbeitet. Seine wichtigste Aufgabe ist die Schulung im "volkspolitischen Wissen und Denken": "Sein Ziel ist es damit, der deutschen Jugend immer wieder klarzumachen, dass es mehr Deutsche in der Welt gibt, als in seinen Grenzen wohnen." Volksdeutsche Jugendliche seien daher auch immer "besonders gerngesehene Gäste" der HJ, so 1938 die seinerzeit noch nicht zu Deutschland gehörenden 1200 Sudetendeutschen, die im Anschluss an das Sportfest in Breslau das Rheinland besucht hätten.

Abschließend nennt Bornemann auch noch die Arbeit des Kolonialreferates.

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