Ehemaliges Kölner Karmeliterkloster soll HJ-Heim werden
Nachdem in den Kölner Außenbezirken bereits eine Reihe von HJ-Heimen entstanden sind, besteht noch im November 1938 in der dichtbevölkerten Altstadt ein großer Mangel an entsprechenden Unterkünften. Neben Finanzierungsschwierigkeiten liegt hier das Problem auch darin, dass es keine ausreichend großen Grundstücke gibt.
Da ein von der HJ eigentlich geforderter Neubau damit ausgeschlossen ist, wird 1938 durch die Hochbauabteilung der Stadt Köln ein anderer Plan ausgearbeitet, der auch vom Konservator befürwortet wird: Demnach soll das am Waidmarkt gelegene umfangreiche Gelände des früheren Karmeliterklosters für Zwecke der HJ nutzbar gemacht werden.
Das Kloster wurde 1802 säkularisiert. Von den mittelalterlichen Gebäuden ist nur noch ein Chorraum erhalten, weitere Klostergebäude aus dem 17. und 18. Jahrhunderten dienten später militärischen Zwecken. Zudem wurde in einem der Flügel eine Schule eingerichtet, aus der das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium entstand, welches mittlerweile in einem Neubau aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Nach einem Brand im Jahr 1929 stehen nur noch der Nord- und Ostflügel. Diese gelangten zusammen mit dem Gelände und dem 1840/41 errichteten Wachtgebäude 1936 durch Tausch aus dem Besitz der preußischen Regierung an die Stadt Köln.
Nun soll das Gelände umgestaltet werden und dazu auch ein als "grundrisslich und architektonisch unmöglich" bezeichnetes Wohn-und Geschäftshaus nebst einem eingeschossigen Bau mit Frühstücksstube, Tankstelle und Garage abgerissen werden. auch die als Blumengroßmarkt genutzte Markthalle und das bereits geräumte Direktorenhaus sollen verschwinden und teilweise durch Neubauten ersetzt werden. Das Gymnasium soll einen "würdigen Zugang" und einen größeren Schulhof bekommen.
In den Flügelbauten des Klosters und im Wachgebäude, die beide unter Denkmalschutz stehen, soll das HJ-Heim entstehen. Dabei soll das klassizistische Wachtgebäude außen und innen erneuert werden und am Haupteingang eine Ehrenhalle mit Nebenräumen erhalten. Der Nordflügel soll außen wiederhergestellt und im Innern ausgebaut werden. Hier sollen Scharräume, Führerzimmer, ein Gemeinschaftsraum und eine Hausmeisterwohnung entstehen. Der Kapitelsaal soll zum Feierraum, der Innenhof zum Appellplatz umgestaltet werden.