Mittelrheinischer BDM erhält neue Führung
Die Führerin des Obergaues Mittelrhein, Obergauführerin Liesel Rohlfing, wird am im Oktober 1938 wegen schwerer Krankheit von ihrem Amt entlastet und "zur besonderen Verwendung" in den Stab der Reichsjugendführung berufen. Die neue Führerin, Untergauführerin Elli Rüggeberg, wird am 7. Oktober 1938 in der Obergauschule 2 des Obergaues Mittelrhein durch BDM-Reichsreferentin Dr. Jutta Rüdiger eingeführt. An der Veranstaltung nehmen unter anderem Gauinspekteur Thiel, Gebietsführer Hohoff sowie die Abteilungsleiterinnen und Mädel- und Jungmädeluntergauführerinnen des Obergaues teil.
Rüdiger dankt in ihrer Ansprache der scheidenden Obergauführerin, die die dienstälteste Obergauführerin im Reich war, und betont, dass sie wegen ihrer steten Hilfsbereitschaft immer ein "großes Vorbild der Pflichterfüllung" und "auch im Kreise ihrer Kameradinnen ganz besonders geschätzt" gewesen sei.
Dann führt sie Elli Rüggeberg, die bisher einen Untergau im Obergau Düsseldorf geführt hat, in ihr Amt ein. Rüggeberg stammt aus dem Bergischen Land und bringe daher "Verständnis für die Art unseres Menschenschlages mit".
Zum Schluss dankt Gauinspekteur Thiel der scheidenden Obergauführerin, die wegen ihrer Krankheit nicht anwesend sein kann, mit den Worten: "Der Abschied von Liesel Rohlfing fällt uns sehr schwer. Sie ist uns allen in ihrer frischen, lebendigen und selbstlosen Art ans Herz gewachsen. Sie kannte nichts anderes als den Dienst am Volk. Wir wünschen ihr alle, dass sie bald wieder gesundet. Ich kann im Namen des Gauleiters erklären, dass, falls Frau Rohlfing in unserm Gau bleiben möchte, sie an hervorragender Stelle wieder Verwendung finden wird."
Anschließend begrüßt er die neue Obergauführerin und weist noch kurz auf die politische Bedeutung des Gaues Köln-Aachen hin.
Der Westdeutsche Beobachter lobt die scheidende Obergauführerin Liesel Rohlfing als eine "glühende Nationalsozialistin", die mit "bewunderungswürdiger Willenskraft" trotz ihres schon seit lange geschwächten Gesundheitszustandes mit "hohem Verantwortungsbewusstsein und unter Aufbietung ihrer ganzen Energie" gearbeitet habe. Bis zum letzten Tag habe sie vom Krankenlager aus ihre Aufgaben gemeistert.
Rohlfing besuchte bereits seit 1926 Veranstaltungen der NSDAP und stellte ihre Mitarbeit zur Verfügung. 1930 übernahm sie die Dienststelle der Ortsgruppe Groß-Köln am Hohenzollernring und arbeitete ehrenamtlich für die Partei. Im Oktober 1930 baute sie den seinerzeit gegründeten Frauenorden im Gebiet Groß-Köln auf und kümmerte sich um die Betreuung von Parteimitgliedern, die im Gefängnis saßen. Zudem engagierte sie sich beim Aufbau der SA-Küche. Seit Anfang 1930 war sie NSDAP-Mitglied. Im März 1933 übernahm sie die Führung des BDM im Gau Köln-Aachen.