HJ auf dem Reichsparteitag
Die HJ nimmt 1938 mit insgesamt 48.000 Teilnehmern und 8000 Teilnehmerinnen am Reichsparteitag statt, darunter 9000 Hitlerjungen aus Österreich sowie 90 Erzieher und 660 Schüler der Adolf-Hitler-Schulen. Sie sind im Zeltlager in Langwasser untergebracht, das aus 1200 Rechteckzelten für je 40 Jungen und 160 Rundzelten besteht. Dort befinden sich auch 39 Sanitätsstationen, in denen 444 Ärzte und Feldschere tätig sind. Zudem stehen 70 Waschanlagen zur Verfügung. Über eine Mikrophonanlage mit 120 Lautsprechern und 12 Miktrophonstellen werden Befehle erteilt und zur Unterhaltung Musik gespielt.
In der dienstfreien Zeit werden u.a. Filme gezeigt, darunter "Urlaub auf Ehrenwort", "Kameraden auf See", "Der Maulkorb", "Manuel" und "Petermann ist dagegen".
Auf der Jugendkundgebung sollen Baldur von Schirach und Hitler sprechen.
Der BDM versammelt sich zu seinem dritten Reichstreffen in Bamberg. Hier findet während der Zeit auch erstmals das große Reichssportfest des BDM mit 5000 Teilnehmerinnen statt. Zudem führen Spielscharen in der Stadt "Offene Singen" durch. Außerdem wird die Ausstellung "Mädel am Werk" gezeigt.
Am "Tag der Gemeinschaft" werden 5400 Mädchen erstmals in den Tanzkleidern des BDM drei neue Tänze zeigen. Die HJ ist an dem Tag mit "HJ-Kampfspielen" beteiligt.
Für die Dauer des Parteitages wird in Nürnberg die Ausstellung "Bauten der Jugend" gezeigt.
Für die Übertragung der HJ-Kundgebung wird vom Jugendamt der DAF Gemeinschaftsempfang angeordnet. Alle Betriebsführer, Lehrherren und Meister werden aufgefordert, den beruftätigen Jugendlichen die Teilnahme zu ermöglichen.
Auf der Jugendkundgebung treten am Morgen des 10. September 1938 52.800 Hitlerjungen und 5000 BDM-Mädchen an. Erstmals nehmen auch Teilnehmer aus Österreich teil, die u.a. in blauen und grünen Trachten erscheinen.
Als Hitler zu den Klängen des Badenweiler Marsches ins Stadion einfährt, wird er von den Jugendlichen jubelnd begrüßt. Die Teilnehmer aus Österreich skandieren "Die Ostmark dankt dem Führer".
Dann ertönt ein Fanfarensignal und zum Klang des Liedes "Wach auf, du deutsches Land" ziehen die Fahnenträger des Adolf-Hitler-Marsches ein und nehmen auf der Mitteltribüne Aufstellung. Gemeinsam erklingt "Lang war die Nacht".
Anschließend spricht Hitler zu den Jugendlichen und hebt hervor, wie sehr diese vom Glück begünstigt seien, in dieser Zeit zu leben: "Unsere Generation hat die Vorsehung auserlesen. Großes hat unser Volk zu erleben und Größeres noch hat es zu gestalten. Dass ihr in diese Zeit hineingeboren worden seid, müsst ihr als ein großes Glück empfinden." Er begrüßt die Jungen und Mädchen aus der "Ostmark", die "nunmehr für immer und ewig deutsch bleiben wird".
Dann beschwört er die nationalsozialistische Volksgemeinschaft, für die die Menschen erzogen werden müssten:
"Was wollte dieses alte Deutschland in seiner Zerrissenheit von Klassen, Parteien, Konfessionsinteressen, Interesssen großer wirtschaftlicher Art, was wollte dieses Deutschland noch für unsere Zukunft bedeuten? Eine neue Bewegung ist gekommen, um das Volk zu erziehen. [...] Unermesslich sind die Aufgaben, die uns gestellt sind. Wie immer aber auch sie sein mögen, gelöst zu werden vermögen sie nur durch einen geschlossenen Volksköprer. Und auch der entsteht nicht durch Wünschen und Hoffen, sondern durch die Erziehung. [...] Und dieses Volk wird nicht erzogen in alten Generationen, sondern es wird erzogen immer und immer wieder in seiner Jugend. Und deshalb bin ich so stolz und so glücklich, wenn ich euch sehe. [...] Und deshalb weiß ich für alle Zukunft auch das Reich sicher und geborgen, weil das deutsche Volk sicher und fest stehen wird. [...] Stärker zusammengeballt wie jemals zuvor, überlegen allen Einflüssen, die früher zur Trennung und Absonderung eines Volkes führten."
Aus dem Gebiet Mittelrhein nehmen rund 1000 Hitlerjungen am Reichsparteitag teil, darunter Gebietsführer Hohoff. Die Jugendlichen sind im Lager Langwasser untergebracht, in dem auch die Teilnehmer des Adolf-Hitler-Marsches wohnen.
Anlässlich des Reichsparteitages trifft sich der BDM in Bamberg, wo am 11. September 1938 ein großes Sportfest mit zahlreichen Zuschauern, darunter Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Reichssportführer von Tschammer und Osten, im Bamberger Stadion stattfindet.
Nach der Begrüßung von Jutta Rüdiger und ersten sportlichen Vorführungen, hält von Tschammer und Osten eine Ansprache, in der er seiner Freude über die guten sportlichen Leistungen des BDM zum Ausdruck bringt. Im Anschluss geht Schirach auf das neue nationalsozialistische Mädchenbild ein: "Das frühere deutsche Mädchenideal, die sogenannte höhere Tochter, kenne man heute gottlob nicht mehr. Eine gesunde und schöne, sowie anmutige Jugend ist das neue Ziel der Deutschen geworden. Dass die Mädel mithelfen werden, dieses Ziel zu erreichen, wisse er. Für unsre neue Zeit und für die Idee der modernen Leibeserziehung überhaupt könne es keine besseren Repräsentaten geben."
Zum Abschluss des Lagers Langwasser findet am Abend des 12. September 1938 ein großes Feuerwerk statt. Am nächsten Tag marschieren die einzelnen Gebiete dann zum Bahnhof Dutzendteich, wo sie die Rückfahrt antreten, darunter auch die Abordnung der mittelrheinischen HJ.
Gebietsführer Hohoff nimmt mit seinem Stabsleiter noch am BDM-Sportfest in Bamberg teil und fährt dann weiter nach Landsberg, um dort am 16. September die Teilnehmer des Adolf-Hitler-Marsches zu begrüßen. Am folgenden Tag geht es nach der Abschlusskundgebung auf dem Markt in Landsberg zurück nach Köln.