Weltkriegsteilnehmer sollen HJ "Fronterlebnis" vermitteln
Der Langemarck-Ausschuss beim Reichsjugendführer lädt im August 1938 35 "Frontsoldaten" aus ganz Deutschland, Vertreter des NS-Reichskriegerbundes, der NSKOV und der Freiwilligen Korps, insbesondere des "Grünen Korps", das in Langemarck kämpfte, zu einer Arbeitstagung in der Jugendherberge "General Ludendorff" nach Demmin in Pommern ein. Ziel dieses "Frontkämpfer-Einsatzkursus" ist es, eine der Hauptaufgabe des Langemarck-Ausschusses vorzubereiten, nämlich "die Übermittlung des Fronterlebnisses, des Vermächtnisses von Langemarck, durch die im Langemarck-Ausschuss vereinigten Frontkämpfer an die gesamte deutsche Jugend, in enger Zusammenarbeit mit der Hitler-Jugend".
Die "Frontsoldaten", so der Westdeutsche Beobachter über das Treffen, seien in besonderer Weise befähigt, "die unverfälschte und wahrhaftige Weitergabe des Fronterlebnisses an die Jugend" zu übernehmen. Die damals "jungen Freiwilligen" hätten mit der HJ, insbesondere mit der HJ der "Kampfzeit" viele Berührungspunkte, so dass eine "von Kameradschaft und Vertrauen getragene Zusammenarbeit in der Zukunft die Folge sein" werde.
Beide, die "Kinderregimenter" von Langemarck und die Hitlerjungen der Kampfzeit hätten damals nichts als ihr "junges heißes Herz und ihre unbändige Liebe zu Deutschland" gehabt, für die sie ihr "junges Leben" eingesetzt hätten. Beide hätten gegen eine "Welle von Hass und Unvernunft um die Anerkennung ihres Wollens" zu kämpfen gehabt. "Wenn jetzt beide in einer geschlossenen Front marschieren, dann wird in den Herzen der deutschen Jugend das Vermächtnis von Langemarck, das ein Vermächtnis der ganzen Front ist, gewahrt sein für alle Zeiten. Dann ist das Mahnmal einer schweren Zeit erstanden, das Stein und Erz überdauern wird, das Fronterlebnis, dieses große Gemeinschaftserlebnis, aus dem das neue Reich erwuchs, als Überlieferung und Tradition und als Kraftquell für die kommenden Geschlechter fest veranktert."
Die Tagung findet unter Leitung des Vorsitzenden des Langemarck-Ausschusses, Generalmajor a.D. Freiherr Grothe, und dem Leiter der Dienststelle Langemarck-Ausschuss beim Reichsjugendführer, Oberbannführer Dr. Moka, statt. Ziel ist es zunächst, den Frontsoldaten einen Einblick in die Arbeit der HJ zu geben. Dabei zeigt sich, dass viele der Teilnehmer offenbar zuvor wenig von diesen Aufgaben wussten.
Erster Referent ist der Leiter des Jugendherbergswerkes in der RJF, Obergebietsführer Radatz, der u.a. über den Bau der Jugendherberge "Langemarck" in Eisenach berichtet, die mit Mitteln des Langemarck-Ausschusses errichtet werden soll. Es folgen Referate von Vertretern verschiedener Ämter der RJF.
Die praktische Arbeit wird durch einen Heimabend der Demminer HJ zum Thema "Der unbekannt deutsche Frontsoldat" vorgeführt.
Die Richtlinien der geplanten Arbeit werden in einem "fruchtbaren Gedankenaustausch zwischen den Jugendführern und den Frontsoldaten" festgelegt. Geeignete Frontsoldaten sollen in Zukunft auf Heimabenden und in HJ-Lager das eigene Fronterlebnis den Hitlerjungen nahebringen. Damit soll den Jugendlichen ein angeblich realistisches Bild vom Krieg vermittelt werden, denn, so wird kritisiert, das Fronterlebnis sei lange entstellt wiedergegeben worden, "entweder als ewiges frischfröhliches Kriegsspiel, in heldischer Pose oder aber als sinnloses Morden von Unverantwortlichen".