Adolf-Hitler-Marsch der mittelrheinischen HJ
Mit einer "feierlichen Kundgebung" auf dem Kölner Neumarkt werden die Teilnehmer am Adolf-Hitler-Marsch der mittelrheinischen HJ am 9. August 1938 von Gebietsführer Hohoff verabschiedet. Vom Gebiet Mittelrhein tragen 66 Hitlerjungen die 16 Bannfahnen nach Nürnberg. Das tägliche Marschpensum beträgt im Durchschnitt 22,7 Kilometer. Übernachtet wird in Privatquartieren. In den Dörfern und Städten, in denen die Jungen Aufenthalt haben, sollen sie "Kameradschaftsabende" gestalten, um den Gastgebern "vom Marsch und von der Schönheit des rheinischen Landes zu erzählen".
Am 2. September soll das Ziellager Fürth erreicht sein. Auf dem Reichsparteitag nehmen die Jungen dann an der Eröffnungsveranstaltung und der Jugendkundgebung teil. Am 11. September geht es weiter nach Landsberg, wo die Schlusskundgebung des Marsches im Hof der Festung stattfindet.
Erstmals nimmt in dem Jahr auch die HJ aus Österreich an dem Marsch teil, wodurch die Teilnehmerzahl von 1500 in den Vorjahren auf 2000 steigt.
Um aus den Marschteilnehmern des Gebietes Mittelrhein eine "Einheit" zu formen, findet ab dem 6. August in der Jugendherberge in Köln-Deutz ein Vorlager statt. Hier werden Probemärsche und Belastungsproben durchgeführt, bei denen die Jugendlichen zeigen sollen, ob sie den Anstrengungen des Marsches gewachsen sind. Zudem erhalten sie gesundheitliche Ratschläge, werden in Heimatkunde unterwiesen und lernen einen gemeinsamen Grundstock an Liedern und Laienspielen, die bei den "Volksgemeinschaftsabenden" in den Ruheorten aufgeführt werden sollen. Am letzten Tag des Vorlagers wird ihr Erscheinungsbild noch einmal in einem Generalappell kontrolliert.
Bei der Verabschiedung der Marschteilnehmer in Köln, gibt Gebietsführer Hohoff ihnen die Mahnung mit auf den Weg, die 120.000 Jungen und Mädchen des Gebietes Mittelrhein würdig zu repräsentieren. Überall sollten sie sich "so hart und stramm bewähren, dass sie Vorbild aller Fähnlein und Banne sein und in Nürnberg dem Führer stolz ins Auge blicken könnten". Anschließend übergibt Hohoff den Fahnenträgern die Bannfahnen mit einem "kräftigen Händedruck". Durch ein "dichtes Spalier von Zuschauern" marschiert die Formation, gefolgt von einer Ehrenformation und zwei Begleitfahrzeugen ab.
Bei ihrem Aufenthalt in Siegburg stattet der Leiter der gesamten Marscheinheiten des Reiches, Oberbannführer Hühnermund, der Marscheinheit des Gebietes Mittelrhein einen Besuch ab.
Über den Adolf-Hitler-Marsch wird 1938 erstmals ein Film gedreht: "Marschtritt Deutschland". Drehbuchautoren, Regisseure und Kameramänner gehören der HJ an.
Ende August hat die Marscheinheit des Gebietes Mittelrhein den Spessart erreicht. Überall, so der Westdeutsche Beobachter, würden die Jungen herzlich begrüßt. Die gastgebenden Familien würden teils regelrecht um die Unterbringung kämpfen, da jeder einen rheinischen Jungen bei sich haben wolle. Angesichts des "rheinischen Frohsinns" in der Einheit sei dies aber auch kein Wunder. Die Jungen seien aber auch zu ernster Arbeit bereit und hätten bereits mehrfach an ihren Ruhetagen bei der Ernte geholfen.
Auf ihrem Marsch hätten sie die "deutschen Gaue und Menschen" gründlich kennengelernt und von ihnen vom "deutschen Schicksal" gehört. Dadurch seien sie "noch fester in ihrem Willen zum großen einigen Reich und in ihrer Treue zum Führer" geworden.
Sämtliche Teilnehmer des Adolf-Hitler-Marsches versammeln sich am 5. September 1938 in Fürth zu einem Appell vor Reichsjugendführer Baldur von Schirach. Die 2109 Marschteilnehmer treten in einem offenen Viereck an, unter ihnen auch 110 Hitlerjungen aus Österreich, das nun "deutsche Ostmark" genannt wird, die die Fahnen der alten illegalen österreichischen HJ mit sich führen.
Schirach schreitet die Front der Teilnehmer ab und überhöht den Marsch anschließend in einer kurzen Ansprache als "heilige Sache der jungen deutschen Generation", die zu einem "Gleichnis ihres Glaubens" geworden sei. "Ihr meine Jungen", so Schirach, "seid die Repräsentanten der ganzen deutschen Jugend, die den Namen des Führers trägt. Durch Sonne, Wind und Regen habt ihr eure Fahnen hierher nach Nürnberg getragen. Mögen alle in eurem Beispiel ein heiliges Bekenntnis zu Adolf Hitler sehen."
Zum Schluss nimmt Schirach die Vereidigung der Fahnenträger vor: "Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, ich will die Fahne der Jugend in Glück und Not treu und gehorsam dem jungen Deutschland vorantragen. Ich will mich jederzeit dieser Fahne würdig erweisen, sie und ihre Ehre mit meinem Leben verteidigen, immer bereit, in ihrem Dienst zu leben und zu ihrem Ruhme in den Tod zu gehen, so wahr mir Gott helfe!"
Am Abend wird die neue Reichsjugendherberge "Luginsland" auf der Nürnberger Kaiserburg in einer Feierstunde von Schirach ihrer Bestimmung übergeben.
Als Höhepunkt des Adolf-Hitler-Marsches gilt der Vorbeimarsch der Teilnehmer an Hitler, der am 6. September am Deutschen Hof in Nürnberg stattfindet. Zahlreiche Reichs- und Gauleiter sowie Reichsstatthalter und Führer der Parteigliederungen nehmen an der Veranstaltung teil.