Gebiets- und Obergausportfest in Köln
Das Gebietssportfest der mittelrheinischen HJ wird 1938 erstmals zusammen mit dem Obergausportfest vom 1. bis 3. Juli in Köln durchgeführt. Ende Juni bauen dafür 30 Angehörige des Landjahrlagers Rheinbach auf dem Adolf-Hitler-Feld an der Aachener Straße 100 Zelte für das Wettkampfzeltlager auf. Hier werden am 1. Juli die Wettkampfteilnehmer und Kampfrichter vereidigt. Anschließend beginnen die Mannschaftsmehrkämpfe auf der Wettkampfbahn und die Schwimmwettkämpfe im Stadionsbad.
Am 2. Juli stehen die Vor- und Zwischenkämpfe in Leichtathletik, die Entscheidungskämpfe im Schwimmen und Wasserball und die Endspiele um die Gebietsmeisterschaft im Fußball, Handball und Hockey auf dem Programm. Am Abend ist die Siegerverkündung mit einer Ansprache von Gebietsführer Hohoff.
Am Sonntag, den 3. Juli ist die Kölner Bevölkerung zum Sportfest in der Hauptkampfbahn des Stadions eingeladen, wo Angehörige von HJ, Jungvolk, BDM und JM sportliche Übungen zeigen und die Sonderformationen der HJ Proben ihres Könnens vorführen.
Das Zeltlager, das von 30 Angehörigen des Landjahrlagers in Rheinbach aufgebaut wird, bietet Platz für 1200 Wettkampfteilnehmer. Zum Lager gehört auch ein Sanitätszelt, in dem während des Wettkampfs mindestens ein Arzt und ein ausgebildeter Feldschar Dienst tun. Die gesamte gesundheitliche Betreuung obliegt der Gesundheitsabteilung der Gebietsführung Mittelrhein.
Ebenfalls Teil des Lagers ist eine Küchenanlage sowie ein Fahnenhügel, auf dem die 16 Bann- und 16 Jungbannfahnen sowie 32 Fähnlein- und Gefolgschaftsfahnen Aufstellung finden sollen. An den Fahnenhügel schließt sich ein Appellplatz an. Das gesamte Lager ist mit Lautsprechern ausgestattet, die mit einem Mikrophon im Kommandozelt verbunden sind.
Für die Teilnahme am Sportfest wird die Unterbringung im Zeltlager zur Vorbedingung gemacht. Damit möchte man den "Kameradschaftsgeist" der Jugendlichen erhalten. Wer sich nicht an die Bedingung hält, wird von dem Wettkampf ausgeschlossen.
Während des ersten Wettkampftages finden auf der Westbahn der Sportanlagen in Müngersdorf die Austragungen in der Leichtathletik statt, bei denen je 16 Mannschaften aus HJ und DJ mit insgesamt 320 Teilnehmern antreten. Die Wettkämpfe bestehen bei der HJ aus 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Keulenweitwurf, für das DJ aus 60-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf.
Zur gleichen Zeit werden im Stadion-Schwimmbad die Schwimmwettkämpfe mit rund 100 Teilnehmern ausgetragen.
Am folgenden Tag, dem Samstag, finden die Vor- und Zwischenausscheidungen in der Leichtathletik und die Endausscheidungen im Schwimmen und Wasserball statt.
Am Nachmittag folgen die Endspiele im Fußball zwischen den Mannschaften von Bann 53 (WfL 99) und Bann 389 (Baesweiler) sowie im Handball zwischen dem Bann 16 (TV Mülheim) und Bann 25 (TV Burtscheid) auf der Radrennbahn.
Die Siegerehrung schließt sich am Abend mit einer Rede von Gebietsführer Hohoff an.
In der Hauptkampfbahn des Stadions ist dann am Sonntag der Aufmarsch sämtlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer geplant. Daran sollen sich eine 4-mal-100-Meter-Staffel der Mädchen anschließen, Kugelgymnastik und Boxen der HJ, der 100-Meter-Endlauf der HJ, Ballgymnastik der Jungmädelführerinnen, 100-Meter-Hürdenlauf der HJ, Bodenturnen und Hindernis-Staffel (HJ und DJ), 80-Meter Hürdenlauf des BDM, Volkstanz des BDM, 1000-Meter-Staffel der HJ, Sportrasen (HJ und DJ) sowie Vorführungen der Motor-HJ. Gauleiter Grohé überreicht zum Schluss seinen Wanderpreis, eine "prächtige Büste des Führers", der Siegerkameraschaft und zeichnet die besten Mädel- und Jungmädelgruppen aus.
Die Gesundheitsabteilung der Gebietsführung sorgt für die gesundheitliche Betreuung der Jugendlichen während des Sportfestes. Erstmals kommt in dem Zusammenhang die neu aufgestellte Feldschergefolgschaft zum Einsatz, die aus den Feldscheren der drei Kölner Stadtbanne besteht, insgesamt 90 Jungen.
Im Zeltlager befindet sich ein Sanitätszelt, das ständig mit Feldscheren und HJ-Ärzten besetzt ist. Sie werden durch weitere Ärzte im Stadiongelände unterstützt.
Die Feldschere der HJ werden in 12 bis 14 Doppelstunden durch den zuständigen Schararzt ausgebildet. Anschließend legen sie vor dem Bann- oder Gebietsarzt eine Prüfung ab. Die Jungen bleiben ein halbes Jahr in der Feldschergefolgschaft und kehren dann in ihre Einheiten zurück. Damit soll auf Dauer erreicht werden, dass jede Kameradschaft über einen ausgebildeten Feldscher verfügt.
Feldscherscharen gibt es auch in Aachen, Bonn, Düren und Gummersbach.
Die Hauptveranstaltung des Sportfestes muss am 3. Juli 1938 zunächst wegen wolkenbruchartigen Regens ausfallen, soll jedoch am 10. Juli nachgeholt werden.
Die nachgeholte Hauptveranstaltung des Sportfestes am 10. Juli 1938 wird als "voller Erfolg" bezeichnet. Beim Fußball siegt die Mannschaft des Bannes 53.
Das Sportfest dient für den Obergau Mittelrhein zugleich als Ausscheidung der Reichssportwettkämpfe. Sieger beim BDM ist die Mädelgruppe 6 im Untergau Köln-Süd (217) und beim JM die JM-Gruppe 16 im Untergau Bergheim (387).