Zehn Gebote gegen Gott
Nach der Auflösung des KJMV Köln und Aachen wegen angeblichen fortlaufenden Verstoßes gegen die Bestimmungen über die Betätigung konfessioneller Jugendverbände reagiert der Westdeutsche Beobachter am 2. Februar 1938 auf die darauf erfolgten Proteste von katholischer Seite durch die Veröffentlichung der "Zehn Gebote gegen Gott", die von der sowjetischen Komsomol-Organisation stammen sollen. Hier, so der WB, könnten die "politisierenden Mitglieder" der konfessionellen Verbände kennenlernen, was es wirklich heiße, in der Ausübung der Religion beschränkt zu werden. "Statt dem Führer zu danken, dass er Deutschland vor solchem Schicksal bewahre, hetzen diese jungen Leute, an ihrer Spitze eifernde, politisierende Geistliche, gegen den Staat, dessen Errichtung erst Voraussetzung jeder freien Religionsübung ist." Der wahre Freind des Christentums zeige sich vielmehr in den "zehn Sowjetgeboten":
"Denke daran, dass die Geistlichen Feinde des Staates und des Kommunismus sind.
Versuche deine Umgebung zu bekehren. Stalin, der die neue Verfassung herausgab, ist der erste Gottlose nicht nur der Sowjetunion, sonder der ganzen Welt.
Versuche deine Kameraden vom Besuche der Kirche abzuhalten.
Passe auf, dass keine geistliche Spionage und Sabotage in deinem Lande getrieben wird.
Sorge für größere Verbreitung der gottlosen Literatur unter den breiten Massen.
Jeder gute Komsomolik (Jungkommunist) ist nur dann ein guter Gottloser, wenn er gut schießen kann und die militärische Disziplin versteht.
Greife in deiner Umgebung energisch durch, wenn sie unter dem Einfluss religiöser Propaganda steht. Wenn du merkst, dass deine Umgebung religiös ist, teile es sofort der GPU mit.
Hilf durch Geldspenden den internationalen Gottlosenbewegungen, besonders denjenigen, die nach ihrer Auflösung noch illegal weiterarbeiten.
Wenn du nicht Gottloser bist, kannst du kein guter Kommunist und treuer Staatsbürger sein. Die Idee des Atheismus ist auf ewig mit dem Kommunismus verbunden, und beide bilden die Grundlage der Sowjetmacht in der Sowjetunion."
Diese "Gebote", so der WB, seien von einigen "deutschen" Zeitungen ohne Stellungnahme veröffentlicht worden, genau zu der Zeit, zu der geistliche Kreise Vorträge über die Verwandtschaft von Katholizismus und Marximus hielten und laute Reden über die angebliche Christenverfolgung im Deutschen Reiche schwingen würden. "Sollte eine Stellungnahme zu solchen Geboten nicht viel eher angebracht sein als das so lebhaft zur Schau getragene Entsetzen über den 'deutschen Kulturkampf', von dem man im Ausland soviel zu erzählen weiß?"