BDM-Werk "Glaube und Schönheit"
Auf der Führertagung der Amtschefs und Gebietsführer in der Berliner Krolloper verkündet Baldur von Schirach am 19. Januar 1938 den Aufbau der BDM-Organisation "Glaube und Schönheit". Zur Namensgebung und Zielsetzung führt er aus:
"Der Name dieser neuen Organisation mag vielleicht im ersten Augenblick seltsam erscheinen, aber er umschließt nach meinem Gefühl vollständig unser Programm; denn was ich mit dieser Organisation will, liegt im Namen voll beschlossen. Ich möchte, dass hier, und zwar unter Führung von Sportwartinnen des BDM, auf dem Gebiete der Gymnastik, des Sports, der Körperpflege, aber auch der kulturellen Arbeit, Vorbildliches geleistet wird. Auch möchte ich, dass durch die Organisation Tanzkurse veranstaltet werden und eine ganz moderne Körpererziehung in dieser wesentlichen Altersstufe der weiblichen Jugend gefördert wird. Wir wollen Menschen, die vielleicht bisher als Gymnastiklehrerinnen oder Sportlehrerinnen nicht viel mit Politik zu tun gehabt haben, in unsern Kreis aufnehmen. Hier müssen wir ihnen Arbeit geben, und sie müssen an diesem Werk 'Glaube und Schönheit' dem modernen Erziehungsideal einer gläubigen und schönen Jugend dienen."
"Körperpflege und Eleganz" bezeichnet Schirach für die 17- bis 21-jährigen weiblichen Jugendlichen als "erzieherische Forderungen". Er wolle, dass diese Erziehung von der Öffentlichkeit richtig verstanden werde. "Je schöner die deutschen Mädel würden, um so stolzer und selbstbewusster sollten sie sein."
Zudem verkündet Schirach, dass er am heutigen Tag die Modelle einer neuen BDM-Tracht, die von führenden deutschen Modehäusern ausgearbeitet worden seien, gesehen habe und deren Einführung verfügt habe.
Im BDM-Werk "Glaube und Schönheit" soll die Arbeit des BDM in Sonderscharen vertieft und ergänzt werden. Damit möchte man die Erziehung auflockern und mehr den Neigungen und Wünschen der Jugendlichen entgegenkommen. Die Obergausportwartin wird die verantwortliche Mitarbeiterin der Obergauführerin für das BDM-Werk sein.
Vorschrift für alle Jugendlichen ist die Arbeit in der Hauswirtschaft, daneben können sie sich einer besonderen Schar anschließen, so einer Gesundheitsschar, einer Sportschar, einer Werkarbeitsschar, einer Abteilung für Auslandsarbeit oder einer besonderen Gruppe für Hauswirtschaft. In den Untergauen führt die Sportwartin das Werk.
Um Zeit für den Sondereinsatz zu haben, haben die Mädchen nur noch eine Pflichtstunde für den BDM im Monat, bei der sei eine "weltanschauliche oder auch kulturelle Schulung mitmachen".
In der Führerzeitschrift der HJ "Wille und Macht" erscheint Anfang Februar ein weiterer Artikel, der auf die Namensgebung und die Zielsetzung der neuen Organisation eingeht.
"Schönheit" wird hier als die "Pflege und sportlich-anmutige Ausbildung des Körpers" verstanden, "Glaube" als die "Weckung der seelischen Kräfte". Kritikern, die entgegnen, hier fehle der "Geist" wird erwidert, dass man diesen nicht veranchte, ihm jedoch seinen "richtigen Platz" zuweise. Durch die Schaffung der AHS und den Ausbau des Schulungsamtes habe die RJF schon bewiesen, das die "geistige Ausbildung der Jugend und die weltanschaulich politische Schulung" eine der Grundlagen der Arbeit der HJ seien. Ziel seien jedoch auch hier der "Glaube" und die "Gemeinschaft". Im Übrigen habe die HJ andere Aufgaben und wolle nicht in Wettbewerb mit dem Schulunterricht treten. Gerade "das Mädel" habe "ja andere Aufgaben und Anlagen" [also offenbar keine geistigen!].
Der kritischen Frage, wie man "seelische Kräfte" ohne "Bildung" fördern könne, wird entgegnet, man betreibe "Bildung im tiefsten Sinne", Ziel sei die "kulturelle Führung", da nur eine "Führung zu den seelischen Werten unsres Volkes einen Weg zum Glauben" biete.
An die Stelle von "Belehrung und Aufklärung" soll im BDM-Werk das "Erleben" gesetzt werden. Die Mädchen sollen Kultur nicht allein rezipieren und etwas über sie gelehrt bekommen, sondern sie sollen zuvörderst über die eigene Praxis an die Kultur herangeführt werden. Der Weg zur ästhetischen Erziehung soll über das eigene Werken führen, zur Oper über das eigene Musizieren, zum Theater über das eigene Spielen.
Das Erleben von Kunst wird dabei ebenfalls als ein Weg zum "Glauben" verstanden. "Glauben" soll dabei nicht "nur als politisches Bekenntnis" gelten, es soll "mindestens ein waches Herz mitschlagen", die Emotionen sollen also angesprochen werden. "Es gilt", so das Resümee des Artikels, "auf dem Wege über die Schönheit und auf dem Wege eignen schöpferischen Erlebens Hunderttausende bereitzumachen, in den großen Werken unsrer Kultur die Stimme ihres Volkes und ihres Gottes zu hören."