„Volksschüler werden Lehrer”
Am 19. Dezember 1938 teilt der Reichsstatthalter den Rektoren der lippischen Volksschulen mit.
„„Volksschüler werden Lehrer”, „Ausbildung auf Staatskosten”. Unter diesen und ähnlichen Überschriften sind in letzter Zeit Mitteilungen durch die Zeitungen gegangen, worauf verschiedene Eltern aus Lippe entsprechende Anfragen um weitere Auskunft an die Schulleitungen und auch die Landesregierungen gerichtet haben. Darauf konnte bisher nur die Antwort gegeben werden, dass Lippe weder derartige Aufbaulehrgänge noch eine Hochschule für Lehrerbildung besitzt, mithin keine Möglichkeit hat, geeignete Volksschüler zu Lehrern auszubilden.
Um trotzdem der lippischen Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, auch diesen Vorteil der billigen Ausbildung ihrer Kinder zu haben, hat der Unterzeichnete versucht und erreicht, lippische Jungen und Mädchen an den Aufbaulehrgängen im benachbarten Preußen unterzubringen. Die Meldungen müssen jedoch sehr eilig erfolgen, da sich die Kinder schon am 10. 1. 1940 in den Musterungslagern einzufinden haben.
Zur Sache kurz folgendes: Der starke Lehrermangel hat den Reichserziehungsminister veranlasst, in Preußen derartige Aufbaulehrgänge zur schnellen Ausbildung von Lehrern auf Staatskosten einzurichten. Teilnehmen können nur erbgesunde, begabte und charakterlich einwandfreie Jungen und Mädchen, die sich zum Erzieherberuf eignen .(…) Dass die Eltern politisch einwandfrei sind und die Jungen und Mädchen in der Hitlerjugend ihre Schuldigkeit getan haben, ist selbstverständliche Voraussetzung. Es dürfte daher auch ratsam sein, sich mit dem zuständigen politischen Leiter in Verbindung zu setzen.
Es ist somit eine seltene Gelegenheit gegeben, wertvollen Jungen und Mädchen zu einem schönen Beruf zu verhelfen und mittellosen Eltern die Sorge der Ausbildung ihrer Kinder zu nehmen bzw. zu erleichtern. Die Auswahl ist zugleich für den Schulleiter eine schöne Gelegenheit, an der Verwirklichung einer der weitreichendsten Förderungen der Bewegung mitzuarbeiten und für seinen Beruf geeignete Kräfte auswählen zu dürfen. Die Gemeldeten werden vom 10.-24. Januar 1940 zu einem Musterungslager zusammengefasst; die Jungen in Gellersen, Kreis Hameln, die Mädchen in Uchte, Kreis Nienburg. Dort erfolgt die endgültige Auswahl und vorläufige Rückkehr in die Heimat.“