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Ereignisse
1944
November

Religiöse Betreuung im Allgäu

Am 25. November 1944 wird für den Rheinischen Provinzialausschuss für Innere Mission folgender „Bericht über den Stand der Arbeit im Kirchlichen Dienst an den Umquartierten im Allgäu (Bezirke: Kaufbeuren, Markt Oberdorf und Füssen)“ vefasst:

„I. Religions- und Konfirmandenunterricht.

Die seit meinem Hiersein (Dezember 1943) unter großen Schwierigkeiten aufgebaute Arbeit des Religionsunterrichtes in den evakuierten rheinischen Schulklassen, KLV-Lagern und im bayr. Schulverband, musste ich laut einer Benachrichtigung des Regierungspräsidenten von Augsburg vom 12. September 1944, niederlegen mit der Begründung - ich hatte im Februar 1944 einen Antrag auf Genehmigung einzureichen - dass ich keine abgeschlossene theologische oder pädagogische Ausbildung besitze. In einem Schreiben des Bayr. Staatsministers für Unterricht und Erziehung, München, an die Herren Regierungspräsidenten r.d.Rh. vom 6. September 1944 heißt es: betreffs Zulassung von ev. Laienkräften zum Religionsunterricht an den Volksschulen: „Die Zulassung ev. Laienkräfte erfordert im Hinblick auf den außerordentlichen Einsatz für den totalen Krieg eine erhebliche Einschränkung. Künftig werden nur zugelassen 1. Laienkräfte mit abgeschlossener theologischer Ausbildung (nicht dagegen mit abgeschlossener katechetischer Ausbildung) z.B. Volltheologen. 2. solche mit abgeschlossener pädagogischer Vorbildung (hierunter fallen auch Lehrkräfte, die bereits in früheren Jahren Religionsunterricht erteilt haben). - Dieses Schreiben ist streng vertraulich zu behandeln! -

Nach meiner Rücksprache im Rhein. Konsistoriums wurde Herr Pastor Schult, Wien, der von der Rhein-Evgl.Kirche Beauftragte für den Kirchl.Dienst an den Umquartierten, beim Unterrichtsministerium und Regierungspräsidium in Augsburg vorstellig, reichte einen neuen Antrag auf Genehmigung ein und erhielt bei letzterer Stelle das Versprechen, mit dem Herrn Schulrat Regner in Markt Oberdorf telefonisch zu vereinbaren, dass ich bis zur Entscheidung des Antrages stillschweigend den Religionsunterricht weiter geben dürfe. Herr Pfarrer Seifert, Kaufbeuren, konnte nach mehrmaligen vergeblichen Besuchen den Schulrat sprechen. U.A. erklärte dieser, dass er sich auf einen telefonischen Anruf nicht einlassen könne, sondern etwas schwarz auf weiß von der Regierung in der Hand haben müsse. - Inzwischen hatte ich auf Grund einer Verfügung des bayr. Staatsministers vom 6.9.1943 die Erlaubnis, Konfirmandenunterricht in Schulräumen zu geben, wenn kein kircheneigener Raum im Aufnahmeort der evakuierten Schulen vorhanden ist, benutzt, um in einer Reihe von Ortschaften an den letzten drei Schuljahren diesen Unterricht zu erteilen. Aufmerksam gemacht durch einen Schulleiter, teilte der Schulrat an sämtliche Schulen u.a. mit, dass ich auch keinen Unterricht auf Umwegen erteilen dürfe. Für Konfirmandenunterricht dürfe auch kein Schulraum zur Verfügung gestellt werden. In einem Ort seines Bezirkes habe er einem Schulleiter - so erklärte er Herrn Pfarrer Seifert - eine Abfuhr erteilen müssen, weil dieser meine Mitschwester Margarete Haumann in die Schule hereingelassen habe. Schwester Margarete, welche die gleiche Ausbildung besitzt, kann aber in ihrem Bezirk nach wie vor weiter Religionsunterricht geben. Hieraus ist klar ersichtlich, dass die Arbeit von der Einstellung des Schulrates abhängig ist. Ich versuchte daher an verschiedenen Orten den Konfirmandenunterricht in privaten Räumen zu geben, was sich aber bisher erst an einem Ort hat durchführen lassen. Raumfrage und Heizmaterial sind wohl die Schwierigkeiten, die sich entgegenstellen. (...)

Von Anfang meines Hierseins bat ich in der Heimat um weitere Hilfskräfte. Das westfälische Konsistorium, welchem die rhein. Arbeit im Allgäu seit Februar 1944 unterstellt ist, hat bisher auch noch keine Kräfte zur Verfügung stellen können.

Was die Stundenzahl betrifft, die ich insgesamt an einzelnen Schulen bis zu den Ferien habe geben können, ist verschieden. Einzelne Klassen konnten jede Woche betreut werden, viele nur alle drei oder vier Wochen.“

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