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Ereignisse
1944
September

Chaotische Evakuierung aus Steinfeld

Der Chronik der Kölner Katholischen Waisenhausschule Sülzgürtel ist zu entnehmen, das dem Abtransport der in Steinfeld untergebrachten Schulkinder am 23. September 1944 eine Irrfahrt durch Deutschland in ungeheizten Zügen und mit unbekanntem Ziel folgt:

„Die Annahme, in Steinfeld verbleiben zu können, war ein Irrtum. Die Bahnstrecke war wiederhergestellt. Die Kreisleitung Schleiden besteht auf dem Abtransport. Neuer Termin ist der 23.9.44. Alles, was beim ersten Termin durchgeführt war, wiederholte sich. Abends, um 19:00, stand alles in Urft abfahrbereit. Lange ließ der Zug auf sich warten. Es regnete in Strömen. Durchnässt besteigen wir den ungeheizten Zug und endlich erfolgt um 23:00 die Abfahrt von Urft ins Ungewisse, niemand kennt das Ziel. Irgendwo sollte im Osten Deutschlands ein Heim bereitstehen. Hin und her geht die Fahrt auf der Strecke, endlich morgens um 5 Uhr ist 'schon' Köln erreicht. Frierend und zähneklappernd geht es weiter über die Rheinbrücke. 2 Nächte und 3 Tage dauerte die Irrfahrt durch Deutschland, bis endlich Einbeck erreicht ist. Der Zug verbleibt hier über Nacht und wurde beheizt. Endlich konnte sich gewärmt und die noch nassen Kleider getrocknet werden. Dieser Fürsorge bedurften besonders die Kleinkinder. Es gab die erste warme Mahlzeit. Die Lokführer weigerten sich, weiterhin mit einem unbekannten Ziel von Bahnhof zu Bahnhof zu fahren. Durch Verhandlungen mit der NSV und durch Vermittlung einer Ordensschwester, die in Duderstadt bekannt war, erfolgte dann eine Zuweisung unseres Transportes in den kath. Kreis Duderstadt im Eichfeld. Das versprochene Heim war nicht vorhanden. Deshalb erfolgte von Einbeck aus der Rücktransport des Küchengerätes mit den entsprechenden Küchenschwestern und Angestellten. Unsere Kinder mussten auf die Dörfer des Kreises Duderstadt verteilt werden. In Wulften erwartete uns die Kreisleitung der NSV des Kreises Duderstadt und der Kreisschulrat. Es wurde die Verteilung der Kinder auf die einzelnen Dörfer und das Aussteigen auf dementsprechenden Bahnhöfen bis Duderstadt organisiert. Die Kinder wurden durch die örtlichen Stellen auf den Dörfern in Familienpflege gegeben. (...) Meine Anwesenheit in Duderstadt hatte sich der Schulrat erbeten. Er wollte von sich aus die Verantwortung für unsere Kinder nicht übernehmen und beauftragte mich mit der Betreuung (...) auf den 12 Dörfern, auf die die Schulkinder verteilt waren. Die Verbindung mit den Schulleitern und Lehrenden musste aufgenommen werden, die Verbindung mit unseren Kindern musste erhalten bleiben. Vielfach von Heimweh geplagt, unglücklich in den Familien, die ihnen wesensfremd waren, galt es Trost zu sprechen und Aufmunterung zu geben. Tägliche Fahrten und Märsche bis zu 36 km mussten geleistet werden.

105 Kleinkinder mit den Kindern des 1.u.2. Schuljahres kamen nach Duderstadt in einzelne Familienpflegestellen. Bald auftretende Schwierigkeiten mit einzelnen Kindern (...) machten die Einrichtung von Notheimen notwendig. Mit Zustimmung und Hilfe des Landratsamtes Duderstadt werden in Wallbrandshausen und Bilshausen Notheime errichtet. In Wallbrandshausen wird der Tanzsaal mit drei Wirtschaftsräumen eingerichtet. Leiterin ist Schwester Anna Josefa v.a.K.J. [vermutl.: Vom Armen Kinde Jesu]. In Bilshausen wird ein Teil des kath. Klosters zur Verfügung gestellt. Hier übernimmt Schwester Josefa Maria vom armen Kinde Jesu die Leitung.“

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