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Ereignisse
1944
Juni

Probleme bei Heranziehung von Lehrern zur KLV

Am 27. Juni 1944 schreibt Hauptlagerleiter OStD. Stephany aus dem KLV-Lager in Tegernsee an Studienrat Kuhlmann in Münster:

„Sehr geehrter Herr Kollege!

Bei Ihrem Aufenthalt in Tegernsee boten Sie uns an, während der Ferien einmal als Vertreter für beurlaubte Herren hier einzuspringen. Wir haben nun unsere sogenannte "Unterrichtspause" in der Zeit vom 19.7. bis 8.8. In dieser Zeit wollen wir möglichst viele Lehrkräfte beurlauben, damit wir nicht hinterher zuviel Vertretungen haben. Wir müssen allerdings dafür sorgen, dass in jedem Lager ein Lagerleiter bleibt. Nun hat sich schon ein Studienrat aus Bad Tölz angeboten, der im Rahmen seines Kriegsferieneinsatzes uns helfen will. Es wäre aber natürlich besonders nett, wenn Sie auch während dieser Zeit hierher kommen könnten. Ich würde Ihnen dann ein komplettes Lager zur Verfügung stellen. Während der Unterrichtspause brauchten Sie auch nicht einmal zu unterrichten, sondern bloß in Gemeinschaft mit dem Lagermannschaftsführer die Betreuung der Jungen übernehmen, mit ihnen wandern, schwimmen, rudern usw. Sie würden also auch noch etwas Erholung dabei herausschlagen. Vielleicht geben Sie mir bald einmal Nachricht, ob ich mit Ihnen rechnen darf. Unterkunft und Verpflegung wären natürlich frei, möglicherweise auch die Fahrt - Sie müssten dieserhalb einmal auf dem Oberpräsidium nachfragen, die Betätigung in der KLV. gilt ja als Kriegseinsatz.

Und nun noch etwas Anderes, das ich aber vertraulich zu behandeln bitte. Wir werden ja die Klassen 5 hier behalten und demnach im neuen Schuljahr mindestens eine Klasse mehr haben als bisher. Dadurch benötige ich natürlich auch eine weitere Lehrkraft. Ich habe dieserhalb schon an Herrn Direktor Steffens geschrieben, bin mir aber nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht klar darüber, ob er die Sache ernsthaft betreibt. Sie wissen ja, dass ich am liebsten immer noch Sie selbst hier hätte, aber ich habe inzwischen die Hoffnung darauf aufgegeben. Nun möchte ich aber unter keinen Umständen eine Lehrkraft hier haben, die den besonderen Anforderungen der Lagererziehung nicht gerecht wird. Nach meiner Meinung kommen außer Ihnen eigentlich nur wenige Herren für Tegernsee in Frage. Ich denke zunächst an Herrn Kollegen Wagner, den ich wirklich sehr gerne hier hätte. Könnten Sie nicht einmal - natürlich ganz vertraulich - mit ihm sprechen und etwas zu werben versuchen. Herr Direktor Steffens möchte ihn natürlich gerne behalten und wird sich für seinen Fortgang sicher nicht sehr einsetzen. Er passt aber tadellos hierher und würde - glaube ich - von sich aus auch gar nicht abgeneigt sein, zu kommen. Natürlich könnte ich auch Herrn Sieger gut gebrauchen, aber er wird erst recht nicht loszueisen sein. Auch Herr Holl hat sich ja immer gewehrt und wird das wohl auch weiter tun. Bliebe also allenfalls noch Herr Homann, bei dem ich aber schon allerhand Bedenken habe und Herr Direktor Schultz, der wohl gerne möchte, mir aber auch den hiesigen Aufgaben nicht recht gewachsen zu sein scheint. Schreiben Sie mir doch einmal, was Sie so von der Sache denken. Ich meine ja, dass der Krieg nicht mehr so ganz lange dauern wird, und dass es z.B. auch für Sie selbst gar nicht so übel wäre, wenn Sie einmal etwa ein Jährchen hier in Tegernsee zugebracht hätten. Dasselbe gilt auch von Herrn Wagner. Aber Ihr lasst Euch ja nichts sagen! Herr Direktor Steffens will Euch natürlich am liebsten auch behalten und da lasst Ihr Euern alten Chef hier einfach sitzen und der kann zusehen, wie er die Sache ohne Euch deichselt. Sehr edel ist das ja gerade nicht, aber ich bin Kummer gewöhnt.

Wie geht es denn sonst noch, was macht die treusorgende Schwester und was treibt Frau Decker? Seid Ihr trotz der vielen Alarme immer noch in der alten, frohen Stimmung? Wenn Sie nun demnächst hoffentlich nach Tegernsee kommen, sei es auch nur zur Vertretung, so werden Sie uns ja allerhand zu erzählen haben.

Bis dahin senden wir Ihnen viele Grüße, in der Hoffnung, dass Sie auch weiterhin von feindlichen Angriffen verschont bleiben.“

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