Menü
Ereignisse
1944
Juni

Verschickung nach Schlesien

Die Chronik der Katholischen Volksschule Vorgebirgsstraße I in Köln berichtet über die Verschickung der Schule am 5. Juni 1944, nachdem sie am 28. Mai 1944 geschlossen worden war:

„Treffpunkt 1/6 morgens vor dem Wartesaal II. Klasse. Die Nacht war Störangriff im Kölner Gelände. Die Linie 17 ab Zollstock fiel aus. Die Eltern erreichten auf Umwegen den Hauptbahnhof. Es fahren 34 Jungen: 3 aus dem dritten Schuljahr, 17 aus dem 4., 5 aus dem 5., 2 aus dem 6., 7 aus dem 7. Schuljahr. Die Abfahrt erfolgte mit dem planmäßigen Berliner D-Zug 7.50, Bahnsteig I. Der Wagen war zur Hälfte für unsere Jungen reserviert. Die Stimmung der Jungen war ausgezeichnet, bei den Kleinen ein paar Tränen, dann ging es in die unbeschriebene Zukunft.

Am 7.6.44 berichtet Kollege Wiggermann über die Fahrt: 'Bis Berlin saßen wir ja gut, aber dann fing die Sorge und die Schufterei beim ersten Umsteigen in Potsdam an. Im Eilschritt zur 'S-Bahn'! Die schweren Koffer mussten im Laufschritt verladen werden. Dasselbe Theater war vor der Fahrt nach Breslau. Anscheinend hatte man uns falsch geleitet, denn mein Fahrplan ging nach Drehnow im Kreise Namslau. In Breslau haben wir die Nacht in der Jugendherberge verbracht und kamen am Dienstagabend 18:00 glücklich in Buckelsdorf an. Die Gutsherrin, eine Gräfin von Schmettau, ließ uns durch zwei Gespanne abholen. Unterkunft ist gut, 2 Schlafräume, 1 Tagesraum, in welchem morgens Unterricht gehalten wird. Abort und Waschgelegenheit sind äußerst einfach. Küche und Essräume sind in der Dorfschenke untergebracht. Das Dörfchen liegt 5 km von der nächsten Eisenbahnstation.'

Aus einem Brief Lehrer Wiggemanns vom 16.6.44: 'Aus den vielen Briefen, die alle zwei Tage ankommen, sehe ich, dass die Verbindung Köln-Schloss Drehnow hergestellt ist. Die Jungen sind ganz munter, ab und zu kommt abends bei den Kleinen Heimweh. Das geht natürlich bald besser. Das Leben hier ist gesund. Sport und Spaziergänge in der Heide und in den wunderbaren Kiefernwäldern, bombenfreie Nächte, gute und ausreichende Verpflegung. Auch mit dem Mannschaftsführer habe ich Glück gehabt. Es ist ein ordentlicher Junge. Ich war froh, dass er vorigen Samstag kam, denn bis dahin war ich Tag und Nacht nicht zur Ruhe gekommen. Die Kleinigkeiten, die in modernen Lagern oder größeren Orten gar nicht zu bemerken waren, machen hier viel Arbeit. Der Haarschneider muss von Grünberg kommen, zerrissene Schuhe werden dorthin gebracht, augenblicklich bin ich auf der Suche nach einer Waschfrau.' Damit unsere Zollstocker Jungen nun auch in ihrer kleinen Klassengemeinschaft arbeiten konnten, schickte die Heimatschule Zollstock eine Kiste mit Material, Büchern, Heften, Zeichenpapier und Farbkästen.“

Baum wird geladen...