Verschickung mit Hindernissen
Der Chronik der Kölner Evangelischen Volksschule Vorgebirgsstraße I kann man den Ablauf der Schulverlegung am 31. Mai 1944 entnehmen:
„Unsere für den Kreis Bergheim bestimmten Kinder fuhren mit der Linie 17 ab Höninger Platz staffelweise 6.30-7.15 Ziel Bahnhof Deutz. (...) Mit gleichem Transport fuhren die Damen der Mädchenschule mit Frau Rektorin Reuß. Mit Warten in Deutz fing es an. Die NSV bestellte zwei Stunden zu früh, das seien gemachte Erfahrungen. Jedes Kind bekam vom Bahnhofsdienst Deutz ein gut belegtes Butterbrot. Wir fuhren ab 10.30 Bahnsteig II. Einige Eltern fuhren mit. Der Zug ist mit Flakwagen begleitet. Bei der Einfahrt Hauptbahnhof gibt es Vollalarm, die Vierungsflak auf dem Begleitwagen wird in Stellung gebracht. Die Kinder sind aufgeregt. Es bleibt zum Glück ruhig. In Großkönigsdorf bläst es Entwarnung. Aussteigen in Horrem. Einige Pakete gehen schon aus der Papierkordel, davor stehen hilflose Kinder. 'Vater' Linden geht 'auf nicht genehmigten Wegen' von einem Bahnsteig zum anderen. Wie beim Rattenfänger von Hameln zieht die Kinderschar hinter ihm her. Es gibt eine aufgeregte Auseinandersetzung mit dem Fahrdienstleiter, die damit endet, dass er und eine ihm gefolgte Mutter je 3.-Strafe zahlen müssen. Das war Intermezzo Nr. 1 in Horrem. Nr. 2 besteht darin, dass durch den neu einsetzenden Vollalarm der Anschlusszug nach Bergheim sofort abfährt. Die ganze Gesellschaft wandert in den Luftschutzkeller. Weiterfahrt 12.30. In Bergheim werden wir zum Kreishaus geführt und dort im schattigen Garten bewirtet. In Hufeisenform sind kleine Tische aus dem Kindergarten zusammengestellt. Jedes Kind bekommt einen großen Teller Reisbrei mit Obst. Unseren Kindern schmeckt es ausgezeichnet. Dann erfolgt die Verteilung auf die Orte: Bergheim, Kenten, Glesch, Wiedenfeld. Die Wiedenfelder werden mit einem Pferdegespann abgeholt, der Rest fährt mit dem Zuge weiter nach Bedburg. Unsere Lehrkräfte fahren zunächst wieder mit nach Köln, da für sie noch keine Unterkunft vorhanden ist.“