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Ereignisse
1944
April

Pädagogische Vorteile durch KLV?

In mehreren Ausgaben der KLV-Elternbriefe heißt es im April 1944 unter der Überschrift „Unterricht und Erziehung in der KLV“, dass die KLV nicht nur die Fortsetzung des geregelten Schulunterrichts trotz des Luftkrieges sichere, sondern zugleich eine Fülle von pädagogischen Vorteilen biete. Außerdem ermögliche die KLV die naturnahe Unterrichtung der meist großstädtischen Kinder und fördert ihre „Verbundenheit“ mit dem Land. Autor Fehlberg schreibt:

„Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Feind mit den in sadistischer Rücksichtslosigkeit durchgeführten Terrorangriffen vornehmlich auch deutsche Unterrichtsstätten und Schulgebäude zu zerstören sucht.

Es ist festzustellen, dass die Zerstörung der Schulstätten geringeren Umfang annimmt, als der Gegner erhofft. Dennoch wird die Gefahr nicht verkannt, die schon heute durch das Ausmaß der vorhandenen Zerstörungen gegeben ist. Entsprechend den in den ersten Kriegsjahren spürbaren Wirkungen, der Luftangriffe war in der bis vor kurzem geltenden Form der Erweiterten Kinderlandverschickung eine ausreichende Sicherung geschaffen. Hunderttausende von Jugendlichen fanden in den KLV-Lagern alle Voraussetzungen für einen geregelten Schulunterricht. Als sich im vorigen Jahr die Terrorangriffe erheblich steigerten, wurden im Zuge der Umquartierung die Maßnahmen zur geschlossenen Schulverlegung ausgelöst. Die im Laufe von drei Jahren getroffenen Erfahrungen in der KLV-Erziehung kommen damit heute einem großen Teil der schulpflichtigen Jahrgänge zugute.

Die Erziehung in den KLV-Lagern vollzieht sich nach den Grundsätzen der nationalsozialistischen Gemeinschaftserziehung. Der erzieherische Einfluss der in den Lagern von den Schulaufsichtsbehörden eingesetzten Lehrkräfte bleibt nicht auf wenige Stunden begrenzt, sondern umfasst den ganzen Tagesablauf. Es liegt auf der Hand, dass sich dadurch die pädagogischen Möglichkeiten erheblich erweitern, dass vor allem im Vergleich mit den Schulverhältnissen im Heimatort eine gesteigerte charakterliche Erziehung ermöglicht wird.

Konkurrierende Erziehungsfaktoren sind ausgeschaltet. Die Gestaltung der Umweltverhältnisse liegt überwiegend in der Hand des Lehrers, die oft negative Atmosphäre der Straße ist ihrer Einwirkung beraubt. Ein einheitlicher Erziehungswille lenkt den Jugendlichen. Die Gemeinschaft tut ein übriges, um den Erziehungserfolg abzurunden. Die gesunden Kräfte behaupten sich in einer geschlossenen Gemeinschaft eher, nachdem sie durch den Lagerleiter, den diesen unterstützenden Lehrer und den Lagermannschaftsführer bekräftigt werden können. Die Jungen und Mädel, bei denen die positiven Charaktereigenschaften schon ausgeprägter sind, bei denen Ansätze zu Führungsfähigkeiten hervortreten, erhalten kleine Aufgaben, deren es im Lager viele gibt und die geeignet sind, die Freude an der Leistung, das Selbstbewusstsein und den gesunden Ehrgeiz zu fördern.

In jedem Augenblick steht der einzelne unter der Forderung, mehr zu tun als die anderen. Soweit er dieser Forderung nachkommt, hebt ihn seine Leistung in der Gemeinschaft hervor. Der Gemeinschaft wiederum wird deutlich, dass allein die Leistung zu einer Hervorhebung und damit zur Führung berechtigt. Das Beispiel freudiger Pflichterfüllung, das Vorbild nicht nur des Erziehers, sondern auch des Kameraden bzw. der Kameradin löst unter den meisten Jugendlichen den Willen aus, ebenso wie der Ausgezeichnete zu handeln.

Im Lager ist eine scharfe Trennung: hier Lehrer, dort Schüler, nicht aufrechtzuerhalten. Der Lehrer muss Erzieher sein! In seiner Aufgabe darf er nicht nur die bloße Vermittlung fachlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten sehen. Er muss sich, um in die Lagergemeinschaft hineinzuwachsen, von der menschlichen Seite zeigen, er muss mitten im Lagerleben stehen, es bestimmen und maßgeblich durchführen.“

Im Mai 1944 wird der Artikel fortgesetzt. „Es gibt keinen Schulunterricht, der nicht zugleich erzieherischen Wert hätte. Jeder andere erzieherische Einfluss kommt wiederum dem Schulunterricht zugute. Die Eigenart des Lagerlebens hebt die von vielen Jugendlichen als bedrückend empfundene Schulstuben-Atmosphäre auf. Schule und Leben sind auf das engste miteinander verknüpft. Es ist eine natürliche Folge davon, dass die Jugendlichen mit mehr Freude lernen. In den Lese- und Schreibstunden ergeben sich in Zusammenhang mit der Besprechung der politischen Ereignisse vielfältige Möglichkeiten, den Schulunterricht zu verbessern. Fleißig geübtes Schachspiel kann die Denkfähigkeit der heranwachsenden Jungen und Mädel schulen. Ungleich mehr als in der Heimatschule lässt sich im Lager das spielerische Bedürfnis der Jugendlichen mit dem unterrichtlichen Zweck koppeln.“

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