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Ereignisse
1944
März

Klagen über Lagerverlegung

Mit Schreiben vom 16. März 1944 teilt der Bonner Lehrer und Lagerleiter Gerhardt dem Schulrat Folgendes mit:

„Sehr geehrter Herr Schulrat!

In Abschrift lege ich Ihnen ein Schreiben des Gebietes Breslau bei, aus dem zu ersehen ist, dass ein Teil der nach hier verschickten Lehrpersonen und Schulkinder am 22.3. bzw. am 23.3. die Stellung wechseln müssen. In Frage kommen die Klassen deren Schüler/innen das 4.-7. Schuljahr besuchen, also im HJ-pflichtigen Alter stehen.

Die Lehrpersonen sind: H. Gerhardt, Lehrer Wahl, Lehrer Kuckartz, Lehrerin Frl. Richartz, Lehrerin Frl. Friedrichs und Lehrerin Frl. Pauli.

Dem hiesigen Schulrat habe ich auch schriftliche und mündliche Meldung erstattet.

Es ist schade und erzeugt eine niederdrückende Stimmung, dass wir den Ort wechseln müssen. Wir wurden hier zur Zeit sehr gastfreundlich aufgenommen, wie ich ihnen das persönlich bereits zum Ausdruck brachte. Die Leute haben sich an die Kinder gewöhnt und sind ärgerlich darüber, dass wir weggehen. Bei diesbezüglichen Rücksprachen konnte ich erfreulicherweise feststellen, dass die Bonner allgemein einen guten Eindruck hinterlassen haben. Die schlechte Meinung über den Westen, durch die Kölner veranlasst, wurde durch uns wieder wettgemacht. Die Leute haben uns in ihr Herz eingeschlossen und sehen uns nur sehr ungern von hier scheiden. Wir haben also unserer Heimatstadt alle Ehre bereitet.

Nur einige Kleinigkeiten sind zu bemängeln, die in Zukunft bei weiteren Verschickungen unbedingt beachtet werden müssen. Es waren mehrere Kinder unter den Verschicken, die hatten Läuse, oder waren Bettnässer. Eine gründliche Untersuchung muss doch vorher durchgeführt werden-

Dann ist noch zu bemängeln, dass man uns Lehrpersonen nach hier schickt und lässt uns so vollständig in der Luft hängen! Wir sind bereits anderthalb Monate hier, und unsere finanziellen Angelegenheiten sind noch in keiner Weise geregelt. Für die Kinder ist alles klar. Ich war zur Zeit in Breslau bei dem Pg. Scherer, Inspekteur des Gaues Köln-Aachen, der mir versprach unsere Angelegenheit zu regeln. Aber bis heute haben wir noch nichts gehört. Bei dem hiesigen Schulrat haben wir alle Anträge eingereicht, aber geschehen ist noch nichts. Auch hat der Herr Schulrat immer noch keine amtliche Mitteilung von Breslau über unsere Existenz in hiesiger Gegend.

Ich bitte Sie nun im Auftrage aller Lehrpersonen hier, doch von dort aus um die Regelung unserer persönlichen Belange besorgt zu sein.

Sobald wir am neuen Ort angekommen sind, werde ich Ihnen Mitteilung machen.“

Am 22. März 1944 leitet der Schulrat das Schreiben des Lagerleiters mit folgendem Begleitschreiben an den Kölner Regierungspräsidenten weiter:

„Betr.: Überführung der Bonner Kinder aus dem Kreise Guhrau in Lager.

In der Anlage lege ich Abschrift eines Schreibens des Konrektors Gerhardt, bisher Waffendorf (Krs. Guhrau), z.Zt. DJM Petersdorf im Riesengeb., den ich zum Obmann der im Kreise Guhrau an den 2-6-klassigen Bonner Schulen tätigen Lehrkräfte bestellt hatte, vor. Ich bitte um Kenntnisnahme und um weitere Veranlassung im Sinne des vorletzten Absatzes, da eine weitere Verzögerung die innere Bereitschaft zur Unterstützung des KLV-Gedankens unnötig belasten würde.

Zu dem übrigen Inhalt des Schreibens bemerke ich folgendes:

Ich habe bei meiner Anwesenheit an Ort und Stelle auch eine Besprechung mit Herrn Inspekteur Scherer in Gegenwart des Schulrates und des NSV Kreisamtsleiters gehabt. Ich habe bei der Gelegenheit Herrn Scherer gesagt, die Verantwortung dafür, dass die 6 oberen Klassen (3 Jungen- und 3 Mädchenklassen) kurz nach ihrer Überführung nach Schlesien wieder den Ort wechseln müssten, müsse er übernehmen. Es unterliege keinem Zweifel, dass bei aller Wertschätzung der Lagererziehung der häufige Wechsel vom pädagogischen Standpunkte aus ein Nachteil sein. Zudem sei den Eltern bei der Werbung mehr oder weniger deutlich gesagt worden, die Kinder blieben auf absehbare Zeit (aus Mangel an Lagern) in Privatstellen. Die Pflegeeltern hätten sich inzwischen an die Kinder gewöhnt. Die ganzen Kosten und die Arbeit der NSV und der beteiligten amtlichen Stellen hätten sich vermeiden lassen, wenn die Kinder sofort oder nach einiger Zeit in die KLV Lager überführt worden wären. Herr Scherer hielt dem entgegen, die Lager seien nicht früher frei gewesen, was m.E. eine zeitliche Abstimmung der durchzuführenden Maßnahmen nicht ausschließt.

Die von mir mit dem Schulrat von Guhrau durchgeführte Abstimmung der Interessen der Bonner und der einheimischen Schulklassen wird durch die Verlegung von 6 Klassen zum großen Teil hinfällig. Mit der weiteren Werbung für den KLV-Gedanken in Bonn hapert es sehr.

Wegen des drittletzten Absatzes (Läuse, Bettnässer) habe ich aufgrund meiner an Ort und Stelle gewonnenen Eindrücke mit der hiesigen NSV-Kreisamtsleitung eingehend Rücksprache genommen und auch die Schulen um tatkräftige Unterstützung ersucht.“

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