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Ereignisse
1944
Februar

SD-Anfrage zu Schulverlegungen und Evakuierungen

Am 1. Februar 1944 richtet die Außenstelle Bonn des Sicherheitsdienstes der SS folgende Anfrage an die Stadtverwaltung:

„Betr.: Zur Frage der Verlegung von Schulen und Evakuierung von Schulkindern.

Ich bitte hiermit um einen Bericht über das bisherige Ausmaß der Umquartierung von Schulkindern, und zwar möglichst nach folgenden Gesichtspunkten gegliedert:

1. Gesamtzahl der Schulkinder von Bonn oder der hiesigen Schulen am 15. Oktober 1943,
2. Gesamtzahl der Schulkinder am 15. Januar 1944,

3. Evakuiert sind: a) durch Verwandtenhilfe,
                                b) durch die Schulen.

Ferner bitte ich um Mitteilung, welche und ob überhaupt Schulen verlegt bezw. zerstört sind, sowie ob Kinder und in welchem Umfange zur Zeit nicht geschult sind.

Wegen äußerster Dringlichkeit bitte ich um Ihre Stellungnahme bis zum 12. Februar.“

 

Am 22. Februar 1944 wird hierauf folgende Antwort erteilt:

„Die Verschickung von Kindern in nicht luftgefährdete Gebiete erfolgt nur auf Veranlassung der NSV und der HJ. In der Hand der NSV liegt die Verschickung der Kinder bis zum 10. Lebensjahre, während die HJ bezw. der Gauschulbeauftragter für KLV Köln, Clausiusstr. 1 sie für die Kinder von 10 Jahren an veranlasst.

Es werden vom Herrn Schulrat nur die verschickten Kinder im Volksschulpflichtigen Alter erfasst, weil er hierüber allmonatlich dem Herrn Regierungs-Präsidenten berichten muss. Die nachstehenden Angaben beziehen sich daher nur auf die Volksschulen.

Feststellungen über verschickte Schüler- und Schülerinnen der weiterbildenden Schulen liegen mir nicht vor. M.E. handelt es sich auch nur um Einzelfälle der Verschickung zu Verwandten.

Die Zahl der Volksschulkinder wird von mir nur zweimal jährlich festgestellt, am 1. Mai und am 15. November.

Am 15. November 1943 wurden die Bonner Volksschulen von 4.285 Knaben und 4.223 Mädchen zusammen 8.501 Kindern besucht.

Ende Januar 1944 waren davon 405 Knaben und 354 Mädchen zusammen 759 Kinder verschickt. Wie viele davon zu Verwandten oder auf Veranlassung der NSV oder der HJ verschickt wurden, ist nicht besonders festgestellt. In der KLV befanden sich Ende Januar 3 Lehrer und 3 Lehrerinnen.

Anfang Januar 1944 wurde von dem Herrn Kreisleiter in Verbindung mit der NSV und der HJ die Verlegung der Volksschulen des inneren Stadtteils angeregt. Das Ergebnis der Vorbesprechungen war, dass zunächst, weil Ferien waren, am 16.1. in Elternversammlungen der Volksschulen Windeckstr., Hundsgasse, Theaterstr., Heerstr., Dorotheenstr. I und II für freiwillige Zustimmung der Erziehungsberechtigten zur Verschickung ihrer Kinder nach Niederschlesien geworben wurde. Nach Wiederanfang des Unterrichts wurde auf Grund einer weiteren Besprechung durch die Lehrkräfte in diesen Schulen weiter geworben.

Die Gesamtzahl der Schulkinder der vorgenannten Volksschulen betrug 3.960.

Nach dem Stande vom 31.1.44 hatten sich auf Grund der Werbung gemeldet:

1.) zur Verschickung mit der Mutter               242 Kinder
2.) zur Verschickung im Klassenverband         409   „
3.) zur Unterbringung bei Verwandten             607   „
                                        zusammen               1258 Kinder

Darauf wurde die Verschickung der zu 1 und 2 genannten Kinder in die Wege geleitet.

Am 8.2.44 fuhr der erste Transport mit 352 Kindern mit Sonderzug in den Kreis Guhrau in Niederschlesien. Zu ihrer Beschulung wurden 6 Lehrer und 6 Lehrerinnen zusammen 12 Lehrkräfte abgeordnet. Die Kinder sind dort sämtlich in Familien untergebracht und nach Schuljahren im Unterricht zusammengefasst.

Heute ist ein weiterer Transport mit 129 Schulkindern unter Begleitung der Mütter ebenfalls in den Kreis Guhrau abgefahren. Die Unterbringung soll dort ebenfalls nach Möglichkeit so erfolgen, dass die Kinder die Klasse ihres Schuljahres besuchen können.

Aufgrund einer Besprechung am 16.2.1944 findet nunmehr auch in den weiteren Volksschulen des Stadtbezirkes, (Rheindorfer Str., Grau Rheindorf, Dransdorf, Endenich, Poppelsdorf, Sandtstr., Kessenich und Dottendorf) eine Werbung durch die Lehrkräfte zur freiwilligen Verschickung der Kinder nach Niederschlesien statt. Welchen Erfolg sie haben wird, lässt sich noch nicht übersehen. Die Verschickung ist Anfang März in Aussicht genommen.

Nebenher läuft in den Volksschulen auf Veranlassung des Gauschulungsbeauftragten für KLV eine Werbung zur Verschickung von Kindern nach Niederschlesien, die aber in Lager untergebracht werden sollen. Der Transport soll am 29.2. abgehen. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Bonn soll 30 Knaben und 25 Mädchen stellen.

Wie viele von den oben zur Unterbringung bei Verwandten gemeldeten Kinder inzwischen fort sind, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass hiervon ein Teil überhaupt nicht fortgebracht worden ist, wie ja auch eine Anzahl der zur Verschickung im Klassenverband gemeldeten Kinder beim Abtransport nicht erschienen ist. Diese Tatsache ist jedenfalls darauf zurückzuführen, dass bisher davon Abstand genommen wurde, Gesamtschulen zu verlegen, vielmehr ist es bei der freiwilligen Verschickung geblieben.

Ganz zerstört sind in Bonn noch keine Schulgebäude. Wegen der am 4.2.1944 betroffenen Schulgebäude Sandtstr. und am Karthäuserplatz verweise ich auf mein Schreiben vom 21.2.1944 zur dortigen Anfrage vom 11.2.44 Az. III C 2 - We/Dr. -, betr. Gefährdung des Schulbetriebs durch Luftangriffe.

Am 12.8.1943 wurden die Gebäude der Volksschulen Theaterstr., Dorotheenstr. I und II stark, Heerstr. und Hundsgasse sowie die Gebäude der Oberschule für Jungen in der Doetschstr. und Brückenstr. gering beschädigt. Die Gebäude sind inzwischen wieder soweit instandgesetzt, dass der Unterricht in ihnen wieder aufgenommen werden konnte. Der Unterrichtsausfall dieser Schulen war nur kurzfristig. Soweit einzelne Schulen nicht nach kurzer Unterrichtsunterbrechung in ihr eigenes Gebäude konnten, sind sie mit anderen Schulen in deren Gebäude zum Wechselunterricht vereinigt worden.“

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