Bericht zur Situation der LWH (DKG Köln)
Aus dem Juli 1944 liegt folgender Bericht zur Situation der LWH des Kölner Dreikönigsgymnasiums vor:
„Zu A.
Volles Verständnis der Batterieführer für die Grenzen jugendlicher Leistungsfähigkeit. Ausgleich für entzogene Nachtruhe wird in jedem Falle angeordnet.
Verpflegung ausreichend und nicht ohne Abwechslung.
Sport: Leichtathletik, Fußball und, wenn angängig, Schwimmen.
Unterbringung in Baracken, die während der wärmeren Jahreszeit zu Beanstandungen keinen Anlass bieten. Im Winter manchmal fußkalt trotz stark geheizter Öfen. Notwendige Reparaturen, Dachschäden und zerbrochene Fensterscheiben werden so schnell wie möglich beseitigt. Im letzten Monat neuer Anstrich.
Urlaub in angemessener Weise.
Zu B.
Durchführung des Unterrichts entsprechend den aufgestellten Plänen oft mit Schwierigkeiten verbunden. Ursache: Fliegeralarm. Ausfall ungefähr 28%.
Beteiligung der Luftwaffenhelfer am Unterricht unregelmäßig. Bei Klasse 6 fehlen vielfach bis zu 40% der Schüler. Grund: Erkrankungen, Beurlaubungen und Abkommandierung zum E.M.-Gerät.
Tägliche Arbeitszeit knapp.
Ausnutzung durch die Schüler oft unzureichend. Die Jungen sind dann abgespannt.
Zu C.
Unterrichtsräume bezw. Ausstattung für mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht unzulänglich. Sperrholzplatten, schwarz gestrichen, als Tafeln. Aufstellung dieser Bretter an gut beleuchteter Stelle schwierig. Erst gegen Ende des Schuljahres wurde eine einwandfreie Tafel beschafft.
Anschauungsmittel fehlten vollständig, kein Unterrichtswagen.
Zusammenarbeit der Fachlehrer ließ nichts zu wünschen übrig. Zwischen den Betreuungslehrern und den Stammschulen bestes Einvernehmen.
Zu D.
Zusammenarbeit mit Dienststellen und Einheiten der Luftwaffe einwandfrei. (...)
Zu F.
Zwei Disziplinarfälle.
Zu G.
Die Leistungen der Luftwaffenhelfer blieben hinter denen der stammschulen zurück, soweit Mathematik und Naturwissenschaften in Frage kommen.“
Über Klasse 7 wird am 27. Juli 1944 Folgendes berichtet:
„A.
Die gesundheitliche Fürsorge ist in Ordnung hinsichtlich der Körperpflege (Bademöglichkeit reichlich geboten, Wäschewechsel, Unterbringung in guten Baracken, heizbar, aus ohne und Schlafraum für je 6 Mann bestehend, stets auf Befehl des Zugführers mit Blumen geschmückt, hübsch von den Jungen mit Bildern, Decken usw. ausgestattet, Urlaub gibt es reichlich. Die Batterie besorgte sogar Karten für Theater und Konzerte. Schlaf reicht infolge der vielen Nachtalarme nicht aus. Die Schüler sind z.T. zweifellos übermüdet. Sport fällt fast ganz aus. Verpflegung ist gut. Der Gesundheitszustand ist normal.
Die Durchführung des Unterrichts war bis 9.6. ganz regelmäßig. Es fanden wöchentlich 5 mal 4 Stunden Nachmittagsunterricht in der Schule statt. Der Batterieführer ging auf meinen diesbezüglichen Vorschlag sofort ein. Dann wurden die Schüler von ihrer Scheinwerferbatterie zu einer Flakbatterie versetzt. Die neue militärische Tätigkeit und die Entfernung der neuen Batt.stellung von der Schule machte den alten Unterrichtsmodus undurchführbar. Bis 20.6. fiel der Unterricht wegen der neuen militär. Umschulung auf Wunsch der Luftwaffe ganz aus. Dann wurden zunächst mal 4 Unterrichtsstunden, meist nachmittags, in der Batteriestellung gegeben in einer ausreichenden Unterrichtsbaracke mit Tafel und Tischen, aber ohne sonstige Lehrmittel. Auf wiederholten Wunsch des Batterieführers, der seine Forderung bei allen Zügen seit Monaten durchgesetzt hat, wird jetzt wöchentlich 3 mal je 6 Stunden unterrichtet von 8,30 bis 13 Uhr. Bei Nachtalarm fällt die letzte Stunde aus. Diese Stundenverteilung ist eine Überanstrengung für Schüler und Lehrer, da in der Regel derselbe Lehrer hintereinander 6 Stunden geben muss mit Rücksicht auf seinen Unterricht in der Kölner Schule. Ausfälle des Unterrichts kamen außer infolge der Daueralarme der dritten Juliwoche kaum vor. Die Teilnahme der Schüler war regelmäßig und wurde durch Kontrolllisten, die ein Schüler führte, der Lehrer unterzeichnete und der Batt.führer einsah, sichergestellt. Arbeitsstunde ist abends von 18,30 bis 20 Uhr. Das ist zu spät und zu wenig. Eine Änderung verbietet der militär. Dienstplan. Freizeit ist kaum vorhanden. Disziplinarfälle und Beschwerden kamen nicht vor.
Unterrichtsbaracke ist ausreichend, Unterrichtswagen nicht vorhanden. Beschaffung der Bücher erfolgte trotz großer Schwierigkeiten durch die einzelnen Lehrer. Die Zusammenarbeit aller unterrichtenden Lehrer, die alle von der Stammschule kommen, ist vorbildlich.
Die Zusammenarbeit mit der Dienststelle der Luftwaffe vollzieht sich ausschließlich mit dem Zugführer und ist gleichfalls vorbildlich. Besonders anzuerkennen ist das pädagog. Verständnis des jungen Zugführers und seine Bereitwilligkeit, den Forderungen der Schule soweit möglich Rechnung zu tragen. Eine geistige Führung der Jungen findet aber nicht statt.
Anmarschweg seit Ende Juni ¾ Bahnfahrt, dann 10 Min. bequemer Fußweg. Verpflegung in der Batt. ist bei der Lage des Unterrichts nicht erforderlich, wäre auch nicht möglich. Bekleidungsstücke wurden nicht zugewiesen.
Zusammenfassend:
Die Leistungen blieben selbstverständlich hinter denen der Schulklasse, die der Unterzeichnete auch betreut, zurück, aber nicht in katastrophaler Form. Am stärksten machen sich die Minderleistungen in den alten Sprachen bemerkbar. In den Naturwissenschaften ist kein erheblicher Unterschied, in Mathematik und Deutsch wird man mit 2/3 der normalen Leistungen rechnen dürfen. In Geschichte ist kaum ein Unterschied festzustellen. Die Jungen sind sehr aufnahmebereit, geradezu hungrig nach Unterricht. Alle konnten glatt nach Kl. 8 versetzt werden. Über die militärische Haltung und die soldatischen Leistungen der Jungen sprach sich der Zugführer sehr anerkennend aus. Ein Schüler bekam das Kriegsverdienstkreuz, mehrere das Flakabzeichen.“
In einem weiteren Bericht heißt es am 27. Juli 1944 ohne Nennung der Klassen aus der Batterie in Marsdorf:
„A. Fürsorge gut. An Sport wird betrieben: Fußball, Leichtathletik, Schwimmen.
B. Unterricht eingeschränkt durch Ausfall von Stunden wegen Alarms, wegen Bettruhe nach nächtlichem Alarm, wegen angesetzten militärischen Dienstes ( [unleserlich], Schießübungen usw.) Der in der Meldung vom 28. Januar angegebene Ausfall von 28% hat sich sehr erhöht infolge der Zunahme der Luftangriffe namentlich am Tage. Schon aus diesem Grunde können die Leistungen nicht die Höhe der Klassenleistungen erreichen.
Teilnahme der LWH. am Unterricht wie bisher ca. 75 %, Verhinderungen: [Kranken-] Revier, Einzeldienst usw.
Erhaltung der geistigen Aufnahmefähigkeit: Es ist für genügend Unterhaltungs(möglichkeit) in den Nachmittagsstunden gesorgt.
Disziplinarfälle:
1) Fall G., Klasse 5, ist vom Urlaub nicht zurückgekehrt, über sein Verbleiben ist nichts bekannt.
2) Sch., G., Klasse 5, verweis wegen Urlaubsüberschreitung.
Die Schulzucht ist tadellos.“