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Ereignisse
1944
Juli

Bericht der OfJ Köln-Lindenthal zur Situation der LWH

Am 22. Juli 1944 berichtet die Oberschule für Jungen Köln-Lindenthal über die Situation der Luftwaffenhelfer:

„A 1:

Fürsorge in jedem Fall seitens der Batterien und der Schule gewährleistet. Batterien haben besonderen, infolge Vorbildung geeigneten Betreuungsunteroffizier, der im Auftrage des Battr.-Chefs handelt.

A 2:

Lwh.s werden in letzter Zeit stark beansprucht, da den Batterien so viele Soldaten weggenommen worden sind, dass die Lwh.s auch zu schwereren Arbeiten herangezogen werden müssen (Aufwerfen von Splitterschutzdämmen, Wachestehen usw.). Ausreichender Schlaf wegen Luftlage nicht mehr gewährleistet. Verpflegung wird immer knapper, aber noch reichlicher als für die Bevölkerung. Sport infolge des Dienstes nur wenig möglich.

A 4 - 6:

In Ordnung.

B 1:

Der Unterricht gestaltet sich infolge innerer und äußerer Hemmungen immer schwieriger, sowohl für die Schüler wie Lehrer. Es ist eben für einen 16-17-jährigen Jungen zu viel verlangt, „2 Herren zu dienen“ und gleichzeitig die Anforderungen der Schule und der Flak zu erfüllen. Dies trifft vor allem auf Köln mit seinen ewigen Alarmen zu, in ruhigeren Gegenden wird es besser sein.

B 2:

Wird immer schwieriger; viele Stunden fallen infolge Alarms aus. Genaue Zahlen können z.Z. infolge Beurlaubung des Unterzeichneten nicht gegeben werden. Prozentsatz der Fehlenden ist stets ziemlich hoch; Gründe: Urlaub, Krankheit, dienstliche Verhinderung (Wache, Flugmeldeposten usw.) Unvermeidbar infolge Leutemangels. Innere Teilnahme am Unterricht ebenfalls gering, da Schüler immer müde sind. Auch wird ihnen die jetzt fas 1 ½ Jahre Zeit bei der Flak langsam zu viel. Oft hört man den Wunsch, zum RAD oder zur Schule zurückzukommen. Zahlen für Fehlen usw. können wegen Beurlaubung von mir nicht angegeben werden.

B 3:

Arbeitsstunden finden im Allgemeinen regelmäßig statt, fallen aber in letzter Zeit öfter aus dienstlichen Gründen aus. Beaufsichtigung durch die Betreuungslehrer wird öfters von militärischer Seite (nicht nur von den Offizieren) als eines Studienrats unwürdig bezeichnet: „Unsere Offiziere führen doch auch nicht die Aufsicht bei der Putz- u. Flickstunde“.

B 4:

In der Freizeit sind die Lwh.s froh, wenn sie schlafen dürfen.

C 1:

Org. Arbeit der Betreuungslehrer ist inzwischen vollkommen eingespielt; dank dem guten Einvernehmen mit den mil. Dienststellen wickelt sie sich reibungslos ab.

C 2:

Unterrichtsräume behelfsmäßig, Beschaffung der Lehrmittel teils schwierig, teils unmöglich. Unterrichtswagen unbekannt.

C 3:

Gewährleistet.

C 4:

D:

Vollkommen eingespielt, sodass sich Weiteres erübrigt.

E:

Anmarschweg nach Junkersdorf erträglich, nach Holweide nicht. (Fast 1 Stunde). Zuweisung von Bekleidungsstücken trotz Ankündigung nicht erfolgt. Fahrzeuge werden nicht gestellt, da Batterien selbst keine haben.

F und G:

Nichts zu bemerken.

Es wird gebeten, derartige Berichte langfristiger zu verlangen, damit sie besser bearbeitet werden können.

Erforderlich ist die Bereitstellung von Mitteln nicht nur für das Fahrgeld der Lehrer, sondern auch für deren dienstlich unvermeidbare Ferngespräche, die fast jeden Morgen nach Alarmen notwendig sind, um die Zeit des Weckens zu erfragen.“

Über die Klasse 6a wird zwei Tage später berichtet:

„A. Fürsorge

Die Fürsorge ist durchaus ausreichend. Sie hat natürlich mit den durch die Verhältnisse gegebenen Schwierigkeiten zu rechnen. Der Gesundheitszustand ist, wie die körperliche Verfassung ausweist, durchweg als gut zu bezeichnen.

B. Erziehung und Unterricht:

Der Unterricht wird erschwert durch die immer häufiger werdenden Tagesalarme. Die Teilnahme an den Unterrichtsstunden wird beeinträchtigt durch Freizeit und Urlaub. Zuweilen können infolgedessen nur zweidrittel der L.H. am Unterricht teilnehmen. Arbeitsstunden können nicht immer eingehalten werden, da die Erfordernisse des Dienstes dem oft entgegenstehen.

C. Organisatorische Arbeit.

Sie stößt auf besonders viele Schwierigkeiten. Räume und Lehrmittel sind unzureichend. Besonders an Lehrmitteln fehlt es. (Karten), Bücher, besonders Lektüre, sind in ausreichender Zahl fast nie zu beschaffen.

D. Zusammenarbeit mit Dienststellen und Einheiten der Luftwaffe:

Vollzieht sich reibungslos.

E. Lehrkräfte.

Weite und oft umständliche Anmarschwege erfordern von den Lehrern einen erhöhten Aufwand an Schuhzeug und Kleidung. Bei schlechtem Wetter völlige Unzulänglichkeit der zivilen Kleidung. Bekleidungsstücke bisher nicht zugewiesen.

Für den kommenden Winter ist in dieser Hinsicht vorzusorgen, da die Garderobe der meisten Lehrer stark mitgenommen ist, sodass mit Ausfällen infolge Krankheit gerechnet werden muss. Bezugscheine zur Beschaffung von Langschäften und Einsteckhosen auf eigene Kosten erscheinen angebracht.“

Wiederum einen Tag später wird der Bericht zur Klasse 5 vorgelegt:

„A.

Bis weit in den Sommer hinein wurde über das Essen geklagt. Es fehlte an hinreichend Gemüse. Dieser Mangel ist jetzt zum Teil behoben. Die Jungen sehen gut aus. Sie behaupten allerdings, dass dabei der Zuschuss von Zuhause eine Rolle spiele.

Die Stimmung litt zeitweise unter dem Einerlei des Dienstes, da die kleinkalibrige Flak nur selten zum Einsatz kommt. Sie wurde kürzlich sehr gehoben, als die Einheit zum ersten Mal einen feindlichen Flieger beschießen konnte. Der Wunsch der Klasse geht dahin, möglichst wieder zu den schweren Flakbatterien zu kommen, bei denen die übrigen LwH. der Anstalt untergebracht sind.

Gewisse Schwierigkeiten macht die Erteilung des Kurzurlaubes. Es hat sich bisher noch nicht regeln lassen, dass die zur Geschützstaffel eingeteilten LwH. ihn so häufig erhielten wie die übrigen Schüler der Klasse. Gelobt wird vor allem der Aufenthalt im Freizeitheim der Batterie im Siebengebirge.

An manchen Tagen wurde der Unterricht durch Alarm stark gestört, doch ermöglichte zuweilen auch die Sonderaufgabe der kleinkalibrigen Flak eine verhältnismäßig frühe Wiederaufnahme des Unterrichts vor Beendigung des Alarms. Im Übrigen leidet der Unterricht unter dem hohen Prozentsatz der fehlenden Schüler. Von 20 LwH. fehlen meist 8 - 9. Die Gründe sind Lang- und Kurzurlaub, Revier- und Lazarettaufenthalt sowie Abkommandierung zum Lehrgang. Die Arbeitsstunden wurden in letzter Zeit zweckentsprechend eingehalten und beaufsichtigt.

Die Unterrichtsräume sind völlig hinreichend. An Lehrmitteln sind außer der Tafel allerdings nur 2 Landkarten vorhanden. Die Teilnahme am Unterricht wird streng überwacht und im Klassenbuch festgehalten. Der Wachtmeister nimmt Gelegenheit, diese Teilnahme zu überprüfen. Der Leistungsstand ist im ganzen geringer als der der gleichen Klasse der Schule.

Der Anmarsch von Lindenthal beträgt etwa 1 ¼ - 1 ½ Stde. einschl. Wartezeit am Heumarkt. Von der Verpflegung in der Batterie wird von den Lehrkräften kein Gebrauch gemacht. An Bekleidungsstücken wurde zum ersten Mal kürzlich 1 Regenmantel überwiesen.“

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