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Ereignisse
1944
April

Bericht über den LWH-Einsatz

Der Kölner LWH-Koordinator Oberstudiendirektor Halfmann schickt dem dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz am 16. April 1944 folgenden zusammenfassenden Bericht über die Situation der Luftwaffenhelfer:

„A. Fürsorge

Die Fürsorge für die Schüler liegt in Händen des Betreuungslehrers und eines vom Batteriechef bestimmten Unteroffiziers oder Wachtmeisters, in Einzelfällen auch eines jüngeren Batterieoffiziers. Bei schweren Batterien sind die Klassen in der Batteriestellung geschlossen untergebracht, die leichten Batterien sind in der Regel in Einzelzüge aufgeteilt und befinden sich in räumlich oft weitgestreuten Stellungen. In diesen Fällen betreut der Zugführer (meist ein Leutnant) selbst die Luftwaffenhelfer. Die Beanspruchung der Jungen hat bei der großen Zahl der Luftalarme in der letzten Zeit stark zugenommen. Zwar wird die Schlafzeit nach Möglichkeit verlängert und nach längerer nächtlicher Gefechtstätigkeit das Wecken auf 8, zuweilen auch 9 Uhr angesetzt, doch kann - besonders bei den jüngeren Luftwaffenhelfern - der Verlust an nächtlichem Schlaf hierdurch nie voll ausgeglichen werden. Mittagsruhe wird - soweit möglich - gewährt und in der Regel überwacht.

Die Tätigkeit der LwH besteht im Dienst am Geschütz, Scheinwerfer, Fernsprecher und im Post-und Meldedienst. Daneben sind kleinere Nebenarbeiten zu verrichten, wie Heranholen der Verpflegung, Hilfe beim Bau von Unterkünften und Baracken,   Heranschaffung von Material und dergleichen mehr. Überbeanspruchungen kommen zwar vor, jedoch nur selten und werden auf Einspruch der Betreuungslehrer sofort abgestellt. In der Regel handelt es sich dabei um Anordnungen von Unteroffizieren, die an sich verboten sind. Immerhin reicht die Überwachung durch die Offiziere voll aus.

Die körperliche Beanspruchung wirkt sich naturgemäß auch auf die geistig-seelische Verfassung aus. Die Stimmung unter den Lwh ist im Allgemeinen gut zu nennen, die Neigung zu geistiger Beschäftigung (Lektüre usw) im allgemeinen gering.

Die Lwh erhalten zu der üblichen Verpflegung eine besondere Verpflegungszulage, die jedoch gering ist und deren Erhöhung gerade bei der starken Beanspruchung wohl wünschenswert wäre. Mängel, wie sie z.B. bei Batterieverlegung vorgekommen sind und zu Beschwerden von Eltern führten, wurden abgestellt. Eine Sonderregelung besteht in Jülich, wo die jungen in den Räumen eines Werkes sehr gut untergebracht sind und aus der Werksküche auch sehr gut verpflegt werden. Die LwH. erhalten in diesem Falle Verpflegungsgeld, von dem sie die Verpflegung selbst zahlen.

Sport - in der Regel Ballspiele - werden in fast allen Stellungen betrieben. Etwas schlechter gestellt sind die LwH. bei den isoliert stehenden Scheinwerfern, denen nur wenige Jungen zugeteilt sind.

Die Körperpflege wird von den militärischen Vorgesetzten überwacht. In einzelnen Stellungen ist die Gelegenheit zu Brausebädern gegeben. Wasserleitung ist in der Regel vorhanden. Wäsche wird in leidlich ausreichendem Maße geliefert, Pflege in der Regel mit Hilfe des Elternhauses. Schwierigkeiten bestanden bei der Versorgung der im Januar des Jahres einberufenen LwH., denen in manchen Batterien vorerst nur je eine Garnitur geliefert werden konnte. Es wird angeregt, den LwH. einen Teil ihrer Kleiderkarte zu belassen.

Die Unterbringung erfolgt in Baracken, in denen die Jungen in je 3 übereinander angeordneten Betten schlafen. Größe der Baracken und deren sonstiger Zustand sind sehr verschieden. Die ziemlich häufige Erkältungskrankheiten sind nicht nur auf den Dienst und die Witterung, sondern zu einem Teil auch auf den Zustand einzelner Baracken zurückzuführen.- Der Gesundheitszustand ist im allgemeinen gut. Neben den erwähnten, z.T. fieberhaften Erkältungskrankheiten sind Fälle von Gelbsucht vorgekommen, außerdem kleinere Verletzungen.

Die Beurlaubungen erfolgen entsprechend den geltenden Bestimmungen.

Das Versagen des Kurzurlaubs als Bestrafung ist verboten, die Durchführung des Verbots wird vom Regiment streng überwacht.

B. Erziehung und Unterricht"

Der Unterricht wird entsprechend den Bestimmungen mit 18 Wochenstunden erteilt und liegt auf 4 bis 5 Tagen. Der Samstag ist unterrichtsfrei. Die Freilassung des Samstags erscheint zweckmäßig, ja an diesem Tage verhältnismäßig viele Luftwaffenhelfer ihren Sonntagsurlaub antreten und somit außergewöhnlich viele Schüler fehlen würden. Der Unterricht liegt teils im Vormittag, teil im Nachmittag. Der Vormittag ist vorzuziehen, weil dann die Jungen - und zwar trotz der Nachtalarme - in der Regel aufnahmefähiger sind. Die Einhaltung der Unterrichtsstunden ist an die Alarme und die Gefechtstätigkeit gebunden. Es hat sich als unmöglich herausgestellt, durch Alarme ausgefallene Unterrichtsstunden nachzuholen. Auch die Einhaltung der Arbeitsstunden ist nicht immer möglich, sodass ein Teil der „häuslichen“ Arbeit zwangsläufig in die Unterrichtszeit verlegt werden muss. Die Arbeitsstunden werden z.T. von dem Betreuungsoffizier oder -unteroffizier überwacht. Die Erhaltung der geistigen Aufnahmefähigkeit ist schwierig. Die meisten Batterien besitzen Büchereien, aus denen die LwH Lesestoffe - geeignete - bekommen können. Nach Möglichkeit stellen die Anstalten, soweit sie hierzu noch in der Lage sind, Bücher zur Verfügung. Hinsichtlich der Freizeitgestaltung, soweit sie nicht von den Batterien erfolgt, ist noch keine befriedigende Lösung gefunden. Ernste Disziplinarfälle sind nicht vorgekommen, wenn auch einzelne LwH vom Einheitsführer mit Strafen belegt werden musste.

In einzelnen Stellungen wird auch der englische Unterricht wieder durchgeführt.

Der physikalische und chemische Unterricht stößt immer noch auf große Schwierigkeiten und muss unter weitgehendem Verzicht auf das Experiment durchgeführt werden. Es wird versucht, aus den Batterien einen Teil der LwH an einzelnen Tagen zur Schule zu schicken und hier in Gruppen zusammengefasst in den beiden Fächern zu unterrichten. Bisher konnte - selbst vom Regiment - noch nicht festgestellt werden, wo sich die Luftwaffenfachschule befindet, die Apparate für den Unterricht in den Stellungen zur Verfügung stellen soll.

C. Organisatorische Arbeit der Betreuungslehrer

In der Regel ist für jede Unterrichtseinheit ein Betreuungslehrer eingesetzt. Abstellung von Lehrern ausschließlich für den Unterricht der LWH ist in meinem Bereich nur in der geringeren Zahl der Fälle durchgeführt. Es erscheint sogar zweckmäßig, die Lehrer nebeneinander bei den LWH und in der Schule zu beschäftigen, damit sie nicht die Fühlung mit der Stammanstalt verlieren. Die Überwachung der Teilnahme am Unterricht erfolgt durch sorgfältig geführte Klassenbücher. In kaum einem Fall ist eine Klasse beim Unterricht vollzählig. Dieser Übelstand wird auch nicht vermeiden lassen, weil aus militärisch-dienstlichen Gründen oder wegen Beurlaubung immer einige Schüler fehlen müssen. Wo die Zahl der Fehlenden (in einzelnen Fällen bis zu einem Drittel) zu groß wurde, wurde dieser Mangel auf Einspruch des Betreuungslehrers behoben. Die Zusammenarbeit der Fachlehrer ist befriedigend, für sie zu sorgen, muss die Aufgabe des Leiters der Stammanstalt bleiben. Wo sich in den Stellungen Splittergruppen kleinerer Anstalten befanden, wurden diese von der Anstalt betreut, die die größte Zahl von LwH. für die betreffende Batterie stellte.

Für den Unterricht stehen in der Regel besondere Unterrichtsbaracken zur Verfügung. (...) Die Beschaffung von Lehrmitteln ist schwierig. Es mangelt an großen Schultafeln, da die zerstörten Schulen keine Bestände mehr besitzen und in manchen Stellungen die dorthin verbrachten Schultafeln bei Angriffen verbrannten. Ähnlich liegen die Verhältnisse, was die Wandkarten angeht. Hier sind die Schulen in einer besonders schwierigen Lage, deren Klassen auf viele Stellungen verteilt sind.

D. Die Zusammenarbeit zwischen den Dienststellen und Einheiten der Luftwaffe einerseits und den Betreuungslehrern andererseits ist durchweg gut und von Verständnis getragen.

E. Lehrkräfte

Anmarschwege sehr unterschiedlich. Ein großer Teil der Batterien mit Straßenbahn und Vorortbahnen zu erreichen, dann aber in der Regel noch Fußwege bis zu 3/4 Stunden (...)"

"F. Besondere Vorkommnisse

Beim Angriff in der Nacht vom 17. zum 18.4. wurde die Stellung einer Batterie am Aachener Weiher getroffen. (Luftmine) Drei Luftwaffenhelfer der 6c der OfJ Humboldtstraße (Geb.Jahrgang 1928) wurden verletzt, davon einer sehr schwer, sodass an seinem Aufkommen noch gezweifelt wird.“

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