Überraschende Verlegung von LWH
Über die am 15. April 1944 erfolgte Verlegung Kölner Luftwaffenhelfer nach München liegt folgender Bericht vor:
„Die Schüler der 7. Klasse der Staatl. Schiller-Schule in Köln-Ehrenfeld und die Hälfte einer 6. Klasse des Staatl. Dreikönigsgymnasiums in Köln sind am 15. d.Mts. mit ihren Batterien verlegt und nach München in Marsch gesetzt worden. Eine vorherige Benachrichtigung ist nicht erfolgt. Die Anstaltsleiter und auch ich sind erst verständigt worden, als der Marschbefehl bereits vorlag.
Die Schillerschule wird einen Lehrer zur Betreuung der LwH nach München entsenden. Für die schulische Versorgung der LwH des Dreikönigsgymnasiums ist noch keine Regelung getroffen. Nach Angaben des Sachbearbeiters bei der Flakgruppe Köln sollen die LwH nach 4 bis 6 Wochen nach Köln zurückkehren. In dieser Zeit müssen Münchener Schüler als LwH ausgebildet sein.“
Über die näheren Einsatzbedingungen und den genauen Aufenthaltsort der Schüler herrscht auch beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz Unklarheit:
„Verbindungslehrer innerhalt meines Amtsbereichs haben mir gemeldet, dass in den letzten Tagen folgende Luftwaffenhelfer-Klassen im Rahmen ihrer Batterien nach Süddeutschland verlegt wurden:
1) Klasse 6 der Adolf-Hitler-Schule, Oberschule für Jungen in Opladen (33 Schüler), bisher Batterie Rheindorf,
2) Klasse 7 der Staatl. Schiller-Schule, Oberschule für Jungen in Köln-Ehrenfeld und die Hälfte einer Klasse 6 des Staatlichen Dreikönigsgymnasiums in Köln, Einheit L 03066 LGP Münster (angeblich in den Raum München verlegt.)
Im ersteren Falle wurde ein Betreuungslehrer mitgegeben. Weitere Einzelangaben kann ich zur Zeit noch nicht machen.
Der Direktor der Schiller-Schule berichtet mit folgendes:
‚Weder der Abteilungsadjutant noch der Batteriechef konnten mit über Unterbringung, Dauer des Kommandos und unterrichtliche Betreuung irgend eine Auskunft geben. In einer persönlichen Aussprache hat mir der Batteriechef, ein sehr verständnisvoller Offizier, zugesagt, dass er mich über alles unterrichten und sich um die unterrichtliche Betreuung bemühen wird. Wenn das von einer dortigen Anstalt nicht möglich sein sollte, würde ich den Studienrat Dr. Schmidt dorthin schicken.‘
Ich bitte dahin zu wirken, dass die Klassen möglichst bald in den Heimatraum zurückgeführt werden. Es ist auf die Dauer nicht erträglich, dass die Schulen in den westlichen Gebieten des Reiches mehr und länger Schüler als Luftwaffenhelfer abstellen als die Lehranstalten, die mehr im Osten und im Süden gelegen sind. Der Unterricht in den rheinischen Schulen ist ohnehin in den verflossenen Kriegsjahren durch die zahlreichen Luftalarme stark beeinträchtigt und in vielen Städten durch Beschädigung oder Zerstörung der Schulgebäude infolge der Luftangriffe oft auf Wochen hinaus lahmgelegt worden.“