Lehrgang für Hochfrequenztechnik
Am 20. Januar 1944 richtet das Reichs-Ausbildungs-Lagers Prinz Eugen folgendes Schreiben an den Direktor des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums:
„Auf Veranlassung des Herr Reichsmarschalls und Oberbefehlshabers der Luftwaffe wird von der Reichsjugendführung mit Unterstützung des Beauftragten für Hochfrequenzforschung in der Zeit vom 22.10.1943 bis Ende April 1944 ein Sonderlehrgang für Hochfrequenztechnik durchgeführt. Er findet statt im Reichsausbildungslager Prinz Eugen, Daaden/Sieg.
Als Teilnehmer sind aus dem ganzen Reichsgebiet Luftwaffenhelfer und Hitler-Jungen einberufen worden. Nach der kürzlich erfolgten Entlassung der ersten aus dem Hilfsdienst bei der Luftwaffe sind alle Teilnehmer von der Reichsjugendführung für den Lehrgang notdienstverpflichtet worden. Sie haben im Falle ihrer Bewährung bis zum Ende des Lehrganges freizubleiben.
Dies gilt auch für den Schüler Ihrer Anstalt J.R., Klasse 7r.
Für die Aufsicht über die rein schulische Betreuung, die nach den Richtlinien für Luftwaffen-Helfer erfolgt, hat der Herr Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung den Herrn Oberschulrat von der Seipen (...) als seinen Sonderbeauftragten bestimmt.
Der Unterricht wird im Lager unter Leitung eines Oberstudiendirektors durch 12 aus dem Rheinland und der Stadt Berlin abgeordnete Studienräte erteilt.
Am Ende des Lehrganges wird der Sonderbeauftragte des Ministers nach Besuch des Unterrichts über die Zuerteilung der Reife an die Schüler der 8. Klasse entscheiden, ebenso nach Vorschlag des Schulleiters über die Versetzung in die 7. und 8. Klasse und Zuerkennung des Reifevermerks an die Schüler der 7. Klasse. (...)
Nach Beendigung des Lehrganges kehren die Schüler nicht mehr zu ihren Stammanstalten zurück, sondern werden zum Wehr - bezw. Reichsarbeitsdienst eingezogen.“
Der Lehrgang kommt tatsächlich zustande. Am 8. Februar 1944 berichtet ein beteiligter Lehrer an Oberstudiendirektor Halfmann über den in Daaden an der Sieg stattfindenden Lehrgang:
„Unsere Aufgabe hier oben ist sehr interessant und schön. Wir betreuen 15 Klassen, mit einer Ausnahme nur 7. und 8. Die rund 450 Schüler kommen aus dem ganzen Reichsgebiet, alle Klassen sind also, was Vorbildung und Stammeseigenart anbelangt, ganz verschieden zusammengesetzt. Darin liegt eine große Schwierigkeit, aber für den Lehrer auch ein ganz besonderer Reiz. Die Veranlagung der Teilnehmer liegt über dem Durchschnitt der Regelschulen, insbesondere in den math.-naturwissenschaftlichen Fächern. Sehr störend im Unterricht ist einmal die starke Belastung der Schüler - 48 Wochenstunden mit technischer Ausbildung und Wehrertüchtigung - und dann der Mangel an Unterrichtsmitteln, der erst allmählich etwas behoben wird. Schwamm-und Kreideunterricht feiert hier wieder seine Auferstehung, doch helfen wir uns so gut wie können. Verpflegung und Unterkunft sind sehr zufriedenstellend.“