Bericht über Lage der LWH der OfJ Köln-Deutz
Anfang Januar 1944 berichtet Betreuungslehrer Dr. Keller von der Oberschule für Jungen in Köln-Deutz über Situation der LWH:
„Einsatzorte der einzelnen Klassen:
Klasse 6: Flugplatz Ostheim, Leichte Alarm-Flak-Batterie 19/6, Batterie-Führer Leutnant Glaum.
Klasse 7: Höhenberg, Grossbatterie. Batterie-Führer Oberleutnant Berger.
Klasse 8: Porz, 3. Batterie, Batterieführer Leutnant Weizel.
1. Unterricht:
Der Unterricht in Physik und Chemie konnte für die Kl. 8 ordnungsmäßig an der Stammschule erteilt werden. Für Kl. 7 standen nur behelfsmäßige Mittel zur Verfügung. Gut lagen die Verhältnisse für Kl. 6 (Flugplatz), wo ausgezeichnete eigene Chemie- und Physikräume vorhanden sind.
Die Teilnahme am Unterricht ist im allgemeinen zufriedenstellend, jedoch in den einzelnen Batterien verschieden. In der Kl. 8 (Scheinwerferabt.) stehen die Verhältnisse wiederum gut, da nur gelegentliche Erkrankungen und Beurlaubungen als Gründe für das Fehlen in Frage kamen. In der Kl. 6 (Flughafen) war der Unterrichtsbesuch sehr gut. Etwa 4 %, darunter die Urlauber, fehlten. Dagegen lagen die Verhältnisse bei der Kl. 7 schlechter. Hier fehlten seit den Sommerferien im Durchschnitt täglich 22 % aller LwH. Viele Erkrankungen.
Der Unterrichtsausfall durch Alarm hielt sich in mäßigen Grenzen. Er war im Sommer grösser als im Winter. Bei Kl. 8 nur dann, wenn die LwH sich gerade auf der Bahnfahrt zur Schule befanden.
Die Schulbücherfrage lässt nichts zu wünschen übrig. Alle notwendigen Bücher konnten beschafft werden.
Die Arbeitszeit in Kl. 6 und Kl. 8 beträgt nach Vereinbarung mit den militärischen Führern je 4 Stunden am Tag, in Kl. 7 nur 2 Stunden, wozu noch die übliche Freizeit kommt.
Die schuleigenen Sammlungen und Büchereien stehen allen LwH an der Stammschule zur Verfügung.
2. Unterbringung.
Die Unterkunftsräume sind gut. Die LwH zogen bei ihrer Einberufung in fertige Stuben ein. Die Belegschaft der einzelnen Stuben ist nicht zu groß und beträgt im allgemeinen 3-5 Personen. Jede Stube ist heizbar.
Die Unterrichtsräume sind verschieden zu bewerten. Mustergültig sind sie bei der Kl. 6 (Flughafen), da sich hier auch alle schulischen Einrichtungen finden. Die Schulräume der Kl. 8 befinden sich an der Stammschule. In der Stellung der Kl. 7 wird die neue Kantine als Schulraum benutzt; sie ist geräumig, gut geheizt, hat aber sonst eine behelfsmäßige Einrichtung.
Die Verpflegung ist bei allen Batterien den heutigen Verhältnissen entsprechend gut. Nur einmal, an einem einzigen Tage, wurde Klage darüber geführt. Die Klagen wurden sofort abgestellt. Die Schuld lag nicht an der Batterie.
3. Handhabung des Urlaubs.
Wir haben die LwH in 3 Gruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe gehören die LwH, die zu den besten Schülern zählen. Sie können ihren Halbjahresurlaub nehmen, wann sie wollen. Zu der 2. Gruppe zählen die mittelmäßigen Schüler; sie können auch während der Schulzeit Urlaub erhalten, wenn sie sich bereit erklären, in der Urlaubszeit den Unterricht zu besuchen. Davon wird ausgiebig Gebrauch gemacht, und vor allem wird diese Einrichtung von den Eltern begrüßt. Selbstverständlich kommen hier nur solche Schüler in Frage, die nicht weit von den Schulräumen entfernt wohnen. Zur 3. Gruppe gehören die schlechten Schüler, die nur während der Ferien ihren Urlaub erhalten.
4. Bekleidung.
Auch hier sind nur wenige Klagen zu verzeichnen. Die ursprüngliche Ausrüstung war ganz neu und gut. Es wäre erwünscht, dass den LwH auch Handtücher, Taschentücher von militärischer Seite verabreicht würden. Die Eltern erklären, nicht in der Lage zu sein, ihren Jungens diese und ähnliche Ausrüstungsgegenstände zu geben, weil sie ja keine Kleiderkarte für sie erhalten. Decken und Bettzeug ist genug vorhanden. Über mangelhaftes Schuhzeug wird gelegentlich geklagt.
5. Seit einiger Zeit ist die Verteilung der Klassen auf ihre Stellungen besser geworden. M.E. dar die Verteilung zur besseren Übersicht nicht von den einzelnen Gruppen, sondern nur von der Division vorgenommen werden. Dann kommt es auch nicht vor, dass Kölner Klassen nach Siegburg und Siegburger Klassen nach Köln geschickt werden. Vor allem ist darauf zu achten, dass die jüngsten Jahrgänge möglichst nahe bei dem Wohnort der LwH bleiben, da sie sonst weniger Besuch erhalten, noch Kurzbesuch machen können. Gelegentlich stellt sich bei diesen jüngsten Jahrgängen Heimweh ein, wie das der Fall war, als unsere 6. Klasse von Höhenberg nach Mengenich versetzt wurde. Bei der heutigen Verteilung haben wir keine Klagen mehr zu führen.
6. Der Schüler wird als LwH in eine ihm meist ganz fremde Umgebung versetzt. Einmal bleibt der engere Zusammenhang mit seiner bisherigen Klasse nicht gewahrt, weil die Gruppe verschiedene Abteilungen derselben Klasse umfasst, wozu vielfach noch Schüler der Zubringerschulen (Bensberg, Porz) und Schüler von Privatschulen kommen. Es dauert geraume Zeit, bis das notwendige kameradschaftliche Verhältnis hergestellt ist. Das Verhältnis zwischen den LwH und den Batterieführern war bei unseren Jungens nie schlecht. Weniger gut war manchmal das Verhältnis zu den ausbildenden, niederen Vorgesetzten. Hier häufen sich doch öfters die Klagen über zu starken Drill, über ungehörige Behandlung, über Mangel an Erziehungsfähigkeit. Es ist dankbar anzuerkennen, dass in allen vorgekommenen Fällen die Batterieführer scharf eingegriffen haben. Sehr groß sind auch die sittlichen Gefahren für diese unfertigen jungen Menschen. In 2. Fällen, die veranlasse waren durch Soldaten, musste gegen die schuldigen Soldaten disziplinarisch eingegriffen werden. Ich habe als vorbeugende Maßnahme regelmäßige Konferenzen eingeführt dank dem Entgegenkommen der Batt.Führer. Diese Konferenzen setzen sich einmal zusammen als allen Offizieren, Feldwebel und Unteroffizieren. Hier werden zwischen diesen und dem Betreuungslehrer alle unangenehmen Vorkommnisse und das weitere Verhalten gegen eine Wiederkehr von solchen besprochen. Weitere Konferenzen werden gehalten zwischen alle am Unterricht beteiligten Lehrern und dem Batt.Führer und seinem Stellvertreter. Elternversammlungen haben sich als sehr fruchtbar erwiesen und sind von den Eltern als sehr willkommen geheißen worden. Entscheidend ist fast immer die Persönlichkeit der Batt.Führer, und da können wir nur Lobenswertes sagen.
7. Unterrichtserfolg.
Nachdem die Kinderkrankheiten dieser neuen Einrichtung überwunden sind, ist der Unterrichtserfolgt nicht so gering, als man vielfach glaubt. Die Schüler lieben den Unterricht im Allgemeinen mehr als den Dienst. Da die Auswahl des Stoffes mehr den Wünschen des jungen Menschen angepasst ist als auf der Schule, ist er auch mehr interessiert an diesen Dingen, die ihm dort geboten werden. Die Arbeitsstunden müssen allerdings von einem Unteroffizier überwacht werden, wie es bei uns z.T. geschieht, damit nicht statt der Schulbücher Romane genommen oder Briefe geschrieben werden. An dieser Stelle ist auch darauf hinzuweisen, dass das Rauchverbot streng überwacht werden muss.“