Bericht der OfJ Köln-Nippes zur Situation der LWH
Anfang Januar 1944 berichtet die Betreuungslehrer Sauer, Dr. Schmitz und Dr. Engelhardt von der Oberschule für Jungen Nippes über die Situation der LWH:
„Bericht über den Schulunterricht der Luftwaffenhelfer Klasse 7 - 1943/44 der Städt. Oberschule f.J. in Köln-Nippes.
Bei dem seit dem 15.3.43 eingeführten Unterricht der Luftwaffenhelfer ergeben sich eine Reihe von Schwierigkeiten und Übelständen, deren Beseitigung im Interesse aller Beteiligten liegt.
Zunächst führt die Regelung des Halbjahres- und Kurzurlaubs zu einem 30 prozentigen Ausfall der Jungen beim Unterricht, eine Zahl, die sich manchmal durch Erkrankungen auf 40 - 50 % derart erhöht, dass der Erfolg des Unterrichts ernstlich gefährdet ist.
Die meist in den Dienstplan aufgenommenen 1 - 2 Arbeitsstunden täglich erweisen sich als zu wenig, weil von ihnen durch die vielen Alarme etwa 50 % ausfallen. Die kurze Zeit von 18 Unterrichtsstunden wöchentlich mit verhältnismäßig schneller Stoffdurchnahme erfordert hingegen ein besonders intensives, störungsfreies Nacharbeiten.
Immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass grundsätzlich für ausreichende Nachtruhe zu sorgen ist und dass kein Vorgesetzter während des Unterrichts- und Arbeitszeit die Jungen in irgendwelchen militärischen oder anderen Diensten, wie Milchholen etc. abordnen darf.
Weitere Unterrichtsschwierigkeiten stellen sich ein, wenn der Vormittagsunterricht infolge späteren Weckens nach nächtlichem Fliegeralarm stark gekürzt werden muss, weil Mittagspause und militärischer Nachmittagsdienst keine Verlängerung des Schulunterrichts gestatten.
Sehr störend auf den Unterricht und die geistige Entwicklung der Jungen wirkt das Verlegen der Batterie einschl. der L.W.H. Nicht nur Unterrichtstage fallen durch Abmarsch und Aufbau der neuen Batterie aus, sondern die Jungen entfernen sich auch innerlich durch die Einstellung auf die neue Umgebung und die Umstellung auf deren Erfordernisse zu stark von dem gerade in dieser Entwicklungsstufe zu erstrebenden wissenschaftlichen Arbeiten.
Hinsichtlich des Unterrichts in Chemie und Physik wäre noch hervorzuheben, dass ihm infolge Fehlens jeglicher Versuche die notwendige Anschaulichkeit mangelt.
Bericht über den Schulunterricht der Luftwaffenhelfer Klasse 6 - 1943/44 der Städt. Oberschule f. Jungen in Köln - Nippes.
Die Zahl der Schüler betrug anfangs 29 einschließlich 4 Gastschülern. 1 Schüler wurde im Laufe des Tertials eingezogen. Der Unterricht begann am 12.10. und wurde nacheinander in folgenden Stellungen erteilt:
1.) Stotzheim b) Efferen
2.) Berzdorf b) Wesseling – Nord
3.) Köln - Riehl
Als Unterrichtsraum stand jeweils die Kantine zur Verfügung.
Es unterrichteten:
Dienstags, Oberstudienrat Sauer in M u. Ph.
Mittwochs, Stud.Rat Dr. Schmitz in G u. L
Freitags, Stud.Rat Dr. Engelhardt, zugleich Betreuungslehrer in D u. Ek.
Die Aufgeschlossenheit und das Interesse der Jungen für die Schularbeit war erfreulich. Der Batteriechef unterstützte die Belange der Schule nach Möglichkeit.
Andererseits muss auf verschiedene Umstände hingewiesen werden, die die Arbeit der Schule sehr erschwerten und die Leistungsfähigkeit der Schüler herabdrückten. Die zu Tage getretenen Mängel sind im Wesentlichen folgende:
1.) Bei dem zweimaligen Stellungswechsel innerhalb von 3 Monaten fielen 3 Unterrichtstage ganz aus. Häufig musste der Unterricht wegen Nachtalarm mit 1 Stunde Verspätung beginnen, oder er musste bei Tagesalarm unterbrochen bezw. vorzeitig abgebrochen werden.
2.) Die den Jungen zugebilligte Arbeitszeit zur Erledigung häuslicher Schularbeiten war unzureichend und zudem ungleichmäßig verteilt.
3.) Die benutzten Kantinenräume waren öfter durch qualmende und schadhafte Öfen nur notdürftig geheizt. - Der und z.Zt. in Riehl zur Verfügung stehende Raum ist so klein, dass für die Jungen keine Tische zum Schreiben aufgestellt werden können.
4.) Durch Krankheit und reguläre Beurlaubungen fehlten durchschnittlich von 27 Schüler 6, d.h. mehr als 1/5.
5.) Die Versorgung der Schüler mit deutscher Lektüre war schwieriger als in der Schule, da die Bewegungsfreiheit der Jungen auch in dieser Beziehung eingeschränkt ist.
Zu den erwähnten Schwierigkeiten kommt hinzu, dass die dauernde Alarmbereitschaft und die militärischen Pflichten die Konzentrationsfähigkeit der Luftwaffenhelfer auf den Unterricht erheblich erschweren.“