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Ereignisse
1944
Januar

Klagen über das Verhalten Jugendlicher

Das nordwestfälische Gauamt der NSV zeichnet am 13. Januar 1944 ein pessimistisches Bild von der jungen Kriegsgeneration:

„Vor allem die schulentlassene Jugend zeigt sich häufig autoritätsfremd, anmaßend und aufsässig, kennt wenig Hemmungen und setzt sich über Bestimmungen jeglicher Art, sei es am Arbeitsplatz in der Berufsschule, im Elternhaus oder in der Freizeit mit bisweilen erschreckender Selbstverständlichkeit hinweg. Als ein Grundübel muss in diesem Zusammenhang nach wie vor das Kino angesehen werden.... Eine verhältnismäßig große Anzahl Jugendlicher besucht trotz der bestehenden Polizeiverordnung zum Schutz der Jugend regelmäßig auch jugendverbotene Filmvorführungen. Der Polizei fehlen in den meisten Kreisen die zu einer regelmäßigen Kontrolle erforderlichen Kräfte. (...)

In sittlicher Beziehung scheint nach wie vor die Verführung weiblicher Jugendlicher durch Wehrmachtsangehörige eine bedauerliche Rolle [zu spielen]. Bei den Hotelkontrollen werden immer wieder Jugendliche festgestellt, die mit Soldaten zusammen schlafen. (...) Ferner muss die Wahrnehmung gemacht werden, dass sich der Zeitpunkt des Beginns der sexuellen Aktivität Jugendlicher in manchen Fällen bis in das schulpflichtige Alter hinein zurückverlagert. (...)

Auch der Mangel an Gebrauchsgegenständen, Lebens- und Genussmitteln führt in letzter Zeit in steigendem Maße zu Diebstählen aller Art. (...) Gestohlene Brot-, Mehl- und andere Lebensmittelmarken werden von den jugendlichen Tätern ... vielfach zu ziemlich hohen Preisen an Ausländer verkauft. Der Erlös wird häufig für Kinobesuche verwandt. (...)

Nachteilige Auswirkungen des Mangels an geeigneten Führern in der HJ. werden von einer großen Anzahl Kreisamtsleitungen des hiesigen Gaugebiets bestätigt. (...) Der Kreis Emscher-Lippe meldet, dass infolge des bestehenden Führermangels die lückenlose Erfassung zur Jugenddienstpflicht nicht mehr möglich sei und ein Teil der Jugendlichen dadurch in der Freizeit mehr als sonst zu verbotenem Kinobesuch und ähnlichen Verstößen komme. (...)

Zu einem Zusammenschluss bestimmter Gruppen von Jugendlichen, die sich neben kriminellen und sonstigen Vergehen auch staatsfeindlich betätigen, ist es innerhalb des Kreises Emscher-Lippe in dem Verband der sogenannten ‚Edelweißpiraten‘ gekommen. (...) Es kommt auch jetzt noch häufig zu Festnahmen und Verfahren gegen jugendliche ‚Edelweißpiraten‘, die sich außer in Gelsenkirchen auch im Kreis Recklinghausen sehr ungebührlich aufgeführt und an verschiedenen Stellen staatsfeindlich betätigt haben. Jugendliche sind von ihnen überfallen und geschlagen worden. Eine Parteiversammlung wurde gestört und ein Teil der Besucher hinterher ebenfalls überfallen. Auch im Kreisgebiet Münster-Warendorf sind Jugendliche verhaftet worden, die in größeren und kleineren Gruppen gemeinsam Diebstähle verübten, sich als GPU-Banditen ausgaben und eine staatsfeindliche Gesinnung erkennen ließen. Die Kreisamtsleitung Recklinghausen berichtet ferner von einem Bandendiebstahl 14-16 jähriger Jugendlicher, die sich während ihrer Arbeitszeit auf dem Friedhof versteckt einen Bunker bauten und in der Dunkelheit regelrechte Raubzüge durchführten. (...) Sogar ein Sofa und einen kleinen Schrank wussten sich die Jugendlichen für ihre Wohnungseinrichtung“ zu besorgen. Außerdem wurde ein Auto (...) während der Dunkelheit gestohlen und zu einer Schwarzfahrt benutzt.“

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